Thiopental

Basisdaten

Für Hirntoddiagnostik telefonische Vorankündigung unter 58161 erforderlich

Schein

E

Labor

Zentrallabor LKH

Verfügbarkeit

nach Bedarf

Benötigtes Material

Benötigtes Material

5 ml Heparin-Plasma

Behälter

Heparin-Röhrchen
Heparin-Röhrchen

Präanalytik

Abnahme nüchtern

Nein

Einverständniserklärung notwendig

Nein

    Vorbereitung des Patienten

    Probengewinnung

    Weitere präanalytische Hinweise

    Für Hirntoddiagnostik telefonische Vorankündigung unter 58161 erforderlich

    Heparinblut – nicht zentrifugieren!

    Probenversand

    möglichst rasch ins Labor senden

    Transporthinweis

    siehe präanalytische Hinweise

    Analysegeräte

    Laborbereich

    Toxikologie LC-MS Tel.:+43 (0) 5 7255 - 23018
    • API 4000 (AbSciex) - (API4000 - Zentrallabor LKH)

    Analytik

    Methode

    Massenspektrometrie

    Störungen

    Kommentar

    Alternatives Material

    Links

    Details

    zuständiger Akademiker/Akademikerin

    Priv-Doz Mag. Dr. Thomas Felder Tel.:+43 (0)5 7255 - 58126

    LOINC-Code

    Interpretation

    Thiopental ist ein ultrakurz wirksames intravenöses Narkotikum aus der Gruppe der Barbiturate. Die Substanz vermindert nicht die Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen und die nozizeptiven Reflexe. Die mit Thiopental erzielte Analgesie ist vielmehr als Funktion seiner narkotischen Eigenschaften zu verstehen. Eine Muskelrelaxierung erfolgt erst in tiefer Narkose. Daneben besitzt Thiopental die Eigenschaft, den intrakraniellen Druck zu senken.

    Der molekulare Wirkungsmechanismus der Substanz ist nicht völlig geklärt: Die anästhetische Wirkung resultiert aus einer Abnahme der neuronalen Erregbarkeit. Hauptangriffspunkt des Thiopental ist hierbei der Thalamus, wo in der Formatio reticularis die aszendierende Reizleitung gehemmt wird und damit die Impulsweiterleitung zur Großhirnrinde abgeschwächt wird. Die Senkung des intrakraniellen Druckes dürfte mit der anästhetischen Wirkung zusammenhängen. Als Folge einer Thiopentaleinwirkung ist ein erhöhter zerebraler Gefäßwiderstand und konsekutiv eine Abnahme der zerebralen Durchblutungsrate und des zerebralen Blutvolumens zu beobachten.

    Bereits innerhalb von 30 bis 40 Sekunden nach i.v. Applikation einer narkotischen Dosis kommt es zum Bewußtseinsverlust. Die Narkosetiefe kann innerhalb der nächsten 40 Sekunden weiter zunehmen. Die Wirkungsdauer beträgt 5 – 10 Minuten mit einer Nachschlafphase von 10 bis 30 Minuten. Die nutzbare Narkosedauer liegt bei 5 – 8 Minuten.

    Die Plasmaproteinbindung von Thiopental liegt bei 84%. Anfangs gelangt die Substanz hauptsächlich in die am stärksten durchbluteten Organe (Gehirn, Herz, Leber, Lunge). Danach erfolgt eine rasche Umverteilung vorwiegend in die Muskulatur. Die Gleichgewichtseinstellung zwischen Plasma und Muskulatur tritt innerhalb von 15 bis 30 Minuten nach der Injektion ein. Für die Dauer der Narkose ist im Wesentlichen die Umverteilung vom Gehirn in die Muskulatur entscheidend. Wegen der geringen Durchblutung des Fettgewebes wird das Verteilungsgleichgewicht zwischen Plasma und Fettgewebe erst nach 1,5 – 2,5 Stunden erreicht.

    Die Metabolisierung erfolgt hauptsächlich in der Leber, zu einem kleinen Teil auch in der Niere und im Gehirn. Pro Stunde werden 10 – 15% des Wirkstoffes metabolisiert. Unter anderem entsteht durch Desulfurierung 3 – 5% Pentobarbital, das ebenfalls anästhetische Wirkung besitzt.

    Die langsame Abgabe aus dem Fettgewebe ist der geschwindigkeitsbestimmende Schritt der Thiopentalelimination. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt nach einmaliger intravenöser Applikation 3 – 8 Stunden.

    Wiederholte Injektion von Thiopental führt infolge der Umverteilung zu einer stark verlängerten Narkosetiefe und -dauer.

    Kurzzeitnarkose; Narkoseeinleitung; Beherrschung von konvulsiven Zuständen

    Kommentar

    Empfehlungen zur Durchführung der Hirntoddiagnostik bei einer geplanten Organentnahme:

    3.1.1 Vorgehen bei hoch dosierter Medikation von zentral wirksamen Substanzen

    Unter einer hoch dosierten Medikation von zentral wirksamen Substanzen werden im Folgenden mehr als zwei lege artis dosierte Bolusgaben oder die kontinuierliche Verabreichung von Barbituraten, Benzodiazepinen, Opiaten und/oder Propofol im Rahmen der intensivmedizinischen Behandlung verstanden. Bei Vorliegen einer hoch dosierten Medikation von zentral wirksamen Medikamenten ist wie folgt vorzugehen: Wenn nach klinischen Erwägungen eine weitere Behandlung mit zentral wirksamen Substanzen nicht mehr sinnvoll erscheint und von der/dem behandelnden Ärztin/Arzt die Verdachtsdiagnose Hirntod gestellt wird, muss nach Stopp der Medikamentengabe eine zwölfstündige Wartezeit eingehalten werden. Nach Ablauf der zwölfstündigen Wartezeit ist davon auszugehen, dass diese Substanzen keine beeinflussende Wirkung auf die klinische Untersuchung oder das EEG mehr haben können. Dies gilt aufgrund der langen Wirkung jedoch nicht für Benzodiazepine und Barbiturate. Bei hoch dosierter Medikation von Benzodiazepinen (mehr als zwei lege artis dosierte Bolusgaben oder kontinuierliche Verabreichung) ist eine Antagonisierung durchzuführen (z. B. 2 mg Flumazenil i. v. bei Erwachsenen). Unmittelbar danach kann der konventionelle Ablauf der Hirntoddiagnostik (1. klinisch-neurologische Untersuchung – ergänzende Untersuchung – 2. klinisch-neurologische Untersuchung) durchgeführt werden. Eine Spiegelbestimmung ist nicht erforderlich. Bei hoch dosierter Medikation von Barbituraten (mehr als zwei lege artis dosierte Bolusgaben oder kontinuierliche Verabreichung) ist eine Spiegelbestimmung erforderlich. Sofern der untere Wert des Referenzbereichs (unabhängig von der Methode) bzw. bei Thiopentalgabe ein Wert von 6 µg/ml überschritten wird, muss entweder mit der Hirntoddiagnostik zugewartet und eine neuerliche Spiegelbestimmung durchgeführt werden oder zusätzlich zum konventionellen Ablauf der Hirntoddiagnostik (s. o.) der Nachweis des zerebralen Kreislaufstillstandes (siehe Abschnitt 3.3.2) erbracht werden.


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