Toronto. In der größten Stadt Kanadas fand Dr. Barbara Schreiber während ihres dreimonatigen Studienaufenthalts zu ihrem favorisierten Bereich, der Anästhesie. „Hier hatten die Anästhesistinnen und Anästhesisten denselben Humor und eine idente Einstellung zum Leben. Ich bin ein Null- oder Hundert-Prozent-Mensch. Auch in der Anästhesie läuft es entweder sehr ruhig und überschaubar ab, oder es tritt die Katastrophe ein, wo man sofort funktionieren muss. Das entspricht mir vom Typ sehr“, beschreibt sich die gebürtige Wienerin, die unter Stress die Nerven behält.

Der Liebe wegen ist die 44-Jährige von Wien nach Salzburg übersiedelt und zählt seit 2004 zum Team des Uniklinikums Salzburg LKH. Vielleicht auch aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur hat sie es bis zur 1. Oberärztin und stellvertretenden Klinikleitung von Professor Peter Gerner an der Klinik für Anästhesiologie, perioperative Medizin und allgemeine Intensivmedizin geschafft. Seither kümmert sie sich um viele organisatorische Belange der Abteilung, wobei ein Großteil die Personalplanung betrifft. Es müssen Monat für Monat Dienstpläne für rund 100 Leute geschrieben werden, die Tageseinteilung für die unterschiedlichen Bereiche im Uniklinikum Campus LKH muss an die jeweilige Qualifikation und den Ausbildungsstand der Kollegen angepasst werden. Um eine optimale OP-Planung zu gewährleisten, steht sie in engem Kontakt mit dem OP-Manager. „Elf Diensträder müssen wir pro Monat besetzen. Man muss Sudoku lieben, um da noch einen Überblick zu behalten. Zum Glück habe ich dabei tatkräftige Unterstützung durch einige Leute im Team“, bedankt sich Schreiber bei ihren Kolleginnen und Kollegen, die ihr bei der Einteilung tatkräftig unter die Arme greifen.

Hier kamen ihr die reichhaltigen Erfahrungen mit sehr komplexen Dienstplänen, sich ständig ändernden Anforderungen im täglichen operativen Ablauf und vor allem ihr starker Rückhalt in der Klinik für Anästhesiologie zu Hilfe. Sofort wurde ihr Büro zum „War Room“ und sie erstellte u. a. eine abteilungsumfassende WhatsApp-Gruppe und auch eine für das engere Führungsteam, über die organisatorische Neuerungen zeitnahe kommuniziert wurden. Dienstpläne für mehr als 100 Personen mussten oft nach nur wenigen Stunden wieder adaptiert und beispielsweise an die akut geschaffene Covid-Intensivstation angepasst werden.

„Ihr unermüdlicher Einsatz – und der des Anästhesie-Covid-Führungsteams – mehr oder weniger rund um die Uhr, organisatorisches Geschick und letztendlich Freude und Spaß an der Arbeit aller Team-Mitglieder, auch unter widrigen Umständen, haben mich wieder ruhig schlafen lassen“ sagt ihr Chef stolz.
Insbesondere war sie federführend für das neu geschaffene Intensivstufenkonzept Phase 2 (das auch das Schwerpunktkrankenhaus Schwarzach mit einbindet und durch optimale Zusammenarbeit mit der 2. Medizin mit Professorin Uta Hoppe und ihren Leitenden Oberärztinnen und –ärzten der CCU sowie den zuständigen führenden Pflegekräften erarbeitet wurde) und bereits vor längerem von allen leitenden Gremien des Uniklinikums freigegeben wurde.

Nun hat sich der Betrieb an der Uniklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin wieder weitgehend normalisiert, aber sie ist jederzeit für alle möglichen Covid-19-Szenarien, von k(l)einer Welle bis zur großen Welle, bestens vorbereitet.

„Patientinnen und Patienten fürchten sich bei Eingriffen oft vor der Narkose, die sie bekommen sollen, weil sie ja sozusagen ihr Leben in unsere Hände legen müssen. Diese Angst ist aber unbegründet“, entwarnt die Wahlsalzburgerin. Enorm wichtig sei es, vor der Operation genau zu evaluieren, ob Vorerkrankungen vorliegen, beziehungsweise ob der Patient generell fit für den Eingriff ist. Danach wird entschieden, welche Narkoseform zum Einsatz kommt – Vollnarkose, Kreuzstich oder das immer häufiger zur Anwendung kommende Regionalverfahren, also eine zeitlich und lokal begrenzte Betäubung ohne Bewusstseinsverlust des Patienten.

Vollste Konzentration ist dann bei der Operation an sich geboten. „Die Narkose muss immer an die Situation angepasst werden. Das heißt: verliert der Patient durch den Eingriff Blut, müssen wir dieses ersetzen, hat der Patient Probleme mit dem Kreislauf, geben wir stabilisierende Medikamente. Außerdem passen wir die Narkosetiefe an die Gegebenheiten an“, erklärt Schreiber. Am Ende der OP wird der Patient idealerweise im Operationssaal aufgeweckt. Erst wenn er stabil ist, wird er in den Aufwachraum überstellt und dort von den Anästhesiepflegern betreut, bevor es schlussendlich auf die Station geht. „An unserer Abteilung haben wir eine sehr gute und moderne Ausstattung und können auch Spezialuntersuchungen – beispielsweise einen Herzultraschall – während einer Operation durchführen.“

Ein weiterer Teil ihrer Arbeit ist die Intensivmedizin, wobei sie selbst hauptsächlich auf der Kinderintensivstation, die von Pädiatern und Anästhesisten gemeinsam betreut wird, arbeitet. Neben der medizinischen Therapie von schwer kranken Patienten geht es da auch um die psychologische Unterstützung der Eltern von schwerkranken Kindern. Schreiber: „Wir sind Allrounder. Doch gerade den Abwechslungsreichtum und die Arbeit in einem interdisziplinären Team schätze ich.“

Nebenwirkungen wie Übelkeit nach der Operation lassen sich oftmals nicht vermeiden. Dieses Gefühl tritt nicht selten bei jenen Menschen auf, denen auch beim Autofahren schlecht wird. „Diese Informationen erhalten wir von unseren Patienten, wenn wir das präoperative Gespräch führen. Hier fragen wir auch nach Allergien und wie fit sie im Alltag sind. Zum Beispiel, ob sie problemlos Stiegensteigen können. Aus all der Information können wir dann ableiten, ob und wie gut sie die Narkose vertragen werden und ob wir noch zusätzliche Voruntersuchungen benötigen, um höchstmögliche Patientensicherheit bei dem vorgesehenen Eingriff zu gewährleisten.“

Durch den Universitätslehrgang für Health Sciences & Leadership an der PMU hat die Mutter eines achtjährigen Sohnes im Jahr 2014 ihr profundes Fachwissen vertieft und erweitert. 17 Teilnehmer – Ärzte, Pflegekräfte, aber auch Mitarbeiter aus den Bereichen IT, Bauwesen und Controlling – nahmen an dem dreijährigen Kurs teil. Der Fokus wurde auf Interdisziplinarität im Krankenhaus, Ausbildung im Managementbereich und in Führungstheorien mit Praxisbezug sowie auf wirtschaftliche Aspekte im Gesundheitswesen gelegt. Da alle Teilnehmer dieses ersten Jahrganges aus den Salzburger Landeskliniken kamen, konnte ein internes Netz aufgebaut werden, das bis heute funktioniert. „Es war eine sehr intensive Zeit, die ich ohne die Unterstützung meines Mannes, meiner Kollegen und nicht zuletzt meines Chefs nicht ohne weiteres geschafft hätte. Doch es hat sich gelohnt: Ohne diesen Masterabschluss wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.“

Weitere Facts

  • Barbara Schreiber hat in Wien maturiert und Medizin studiert.
  • Nach ihrem Auslandsaufenthalt in Toronto bekam sie eine Stelle als Anästhesistin in Wien, wo sie auch ihre Ausbildung machte.
  • In Salzburg hat sie 2009 ihr Fach abgeschlossen und ist 2012 Oberärztin geworden. Im selben Jahr kam ihr Sohn zur Welt.
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