Ausgleich findet der gebürtige Mexikaner mit deutschem Pass beim Kochen heimatlicher Gerichte wie Tamales, oft für zwölf Leute. Außer dem Essen vermisst er, da die Eltern nicht mehr leben, an Mexiko City nicht viel. „Es ist wunderbar, wenn die Kinder wie hier oder in Deutschland einfach in Sicherheit zu Fuß in die Schule gehen können…“, meint er nachdenklich. In puncto Sicherheit sei Mexiko ein Dritteweltland, die Kluft zwischen gut gestellt und arm sehr groß. Selbst in privilegierten Verhältnissen aufgewachsen – der Vater war Allgemeinchirurg, die Mutter Textilingenieurin aus Deutschland – entdeckte er schon in Mexico City an einem Regierungsspital dank seines Freundes Abel Morales seine Begeisterung für die kolorektale Chirurgie, also Operationen an Dick- und Enddarm, beschäftigt sich diese doch mit einem außerordentlich wichtigen Teil des menschlichen Körpers, was sich meistens erst zeigt, wenn Probleme auftreten.
Bis er seine Wunschdisziplin hier in Österreich ausüben konnte – seine Frau stammt aus Thalgau und war in der österreichischen Botschaft in Mexico City beschäftigt – war es aber ein langer Weg.

Das Gehalt eines Chirurgen an einem staatlichen mexikanischen Spital war gering, den Lebensunterhalt konnte man sich nur mit Privatmedizin verdienen. Da die mexikanische Hauptstadt überdies ein eher unsicheres Pflaster ist, wurde von der jungen Familie die Übersiedlung nach Österreich erwogen. „Die Anerkennung ausländischer Ausbildungszeiten geht in der BRD schneller als in Österreich, vor allem kann man früher gegen Bezahlung arbeiten“, so Darie Schneider, „und so landete ich in der Klinik Eichstätt nahe Ingolstadt. Aber weder dort noch an der Uniklinik Würzburg konnte ich die Ausbildung zum Enddarmchirurgen vervollständigen, erst als ich in die vergleichsweise winzige Klinik Kitzinger Land kam, traf ich auf einen Spezialisten dieses Faches, den Viszeralchirurgen Volker Fackeldey, und lernte bei ihm schwierigste Operationen durchzuführen.“ In der Folge konnte er auch den Facharzttitel für Proktologie erwerben.

Seit 2019 ist Darie Schneider nun an der Landesklinik Hallein als kolorektaler Chirurg für invasive und große rektale Operationen tätig und verfügt über eine zwischen Innsbruck und Linz einzigartige Expertise. „Ohne das großartige Chirurgie-Team um Silvia Reich-Weinberger und die Unterstützung von Rosemarie Forstner von der Radiologie des Uniklinikums, die unsere MRT‘s befundet, wäre die Arbeit nicht denkbar. Durch die Rotation der Chirurgen aus dem Uniklinikum und dem generell hohen Ausbildungsstand des Teams sind auch die größten OPs möglich.“ Neben Hämorrhoiden oder Analfissuren sind die häufigsten Indikationen Funktionsstörungen des Schließmuskelapparates, Tumore oder das Obstruktive Defäkationssyndrom ODS. Besonders nach vielen Geburten und im fortgeschrittenen Alter kann letzteres auftreten. 80 Prozent werden transrektal, d.h. ohne sichtbare Narben operiert, der Rest wenn möglich laparoskopisch.

Derzeit schreibt Oberarzt Schneider an seiner Doktorarbeit, um auch nach den österreichischen Ausbildungsrichtlinien den Titel führen zu können. Die Abteilung für Chirurgie der Landesklinik Hallein mit rund 1.280 Operationen pro Jahr ist eng verbunden mit der Universitätsklinik für Chirurgie des Uniklinikums Salzburg und steht unter der Leitung von Professor Klaus Emmanuel. „Ohne diese enge Verbindung zum Uniklinikum ginge es gar nicht“, ist der gebürtige Mexikaner überzeugt.

Weitere Facts

  • Geboren und aufgewachsen in Mexico City
  • Englischsprachiges Gymnasium, Medizinstudium und Facharztausbildung in Mexico City
  • Approbation für Allgemeinchirurgie, acht Jahre Oberarzt an einem Regierungsspital
  • Invasive Chirurgie in Miami
  • Sieben Jahre ärztliche Tätigkeit und Facharztausbildung in Deutschland
  • Seit 2019 an der Landesklinik Hallein
  • Verheiratet, zwei Kinder im Schulalter
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