Was im Frühjahr 2018 als Modellversuch begann, entwickelte sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren zum absoluten Erfolgsmodell: Mobile Teams der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (Universitätsklinikum Campus CDK) und der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Kardinal Schwarzenberg Klinikum (Schwarzach) betreuen im Zuge der Integrierten Versorgung Salzburg (IVS) Menschen mit psychiatrischen Krankheiten in deren eigenen vier Wänden. Psychologin Theresa Stemeseder ist seit Beginn an Teil des interdisziplinären Teams bestehend aus einer Psychiaterin, einer Sozialarbeiterin und diplomierten psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflegerinnen: „Wir sind eine reine Damenrunde“, schmunzelt sie.

Die sechs Mitarbeiterinnen der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik haben in der Stadt Salzburg, im Flachgau und im Tennengau seit dem Start der IVS rund 100 Patientinnen und Patienten betreut: „Wir kümmern uns um Personen mit einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis und affektiven Störungen wie Depression und bipolare Erkrankungen, die in den bereits vorhandenen Strukturen des Gesundheitssystems nicht ausreichend versorgt werden konnten und daher wiederholt stationär aufgenommen werden mussten.“ Durch die stationären Aufenthalte entstanden nicht nur hohe Kosten für das Gesundheitssystem, sondern auch eine reduzierte Lebensqualität der Betroffenen und Ihrer Familien. „In der Regel haben wir mit unseren Patientinnen und Patienten einmal pro Woche Kontakt. Für viele sind wir der einzige soziale Kontakt. Deshalb war und ist es auch in der Corona-Zeit enorm wichtig, die Hausbesuche weiterzuführen, natürlich unter Einhaltung der vorgegebenen Hygienerichtlinien.“ Gearbeitet wird nicht nur mit den Patientinnen und Patienten, sondern auch mit deren Familien und anderen Betreuungseinrichtungen: „Wir vernetzen uns mit den Angehörigen, für die wir immer ein offenes Ohr haben, Heimhilfen und Hauskrankenpflege.“

Die erste Evaluierung des Projekts liegt seit Juni vor (siehe weitere Facts). „Das beweist, dass wir unseren Auftrag, die Aufenthaltszeiten in der Klinik zu verkürzen, erfüllen konnten“, ist Theresa Stemeseder stolz auf das Erreichte. Der Modellversuch war ursprünglich bis Ende 2020 angesetzt: „Aber mittlerweile steht fest, dass es die IVS auch darüber hinaus geben wird.“

Der Weg in einen Betreuungsberuf hat sich für die 33-Jährige bereits in der Zeit am Akademischen Gymnasium in Salzburg abgezeichnet. „Ich wollte immer schon mit Menschen zu tun haben und habe mich bereits in der Jugend für Themen anderer Kolleginnen interessiert.“ Der ursprüngliche Plan, eine Ausbildung zur Musiktherapeutin in Wien zu absolvieren, ließ sich nicht realisieren. Daher begann Theresa Stemeseder an der Uni in Salzburg, Psychologie zu studieren. 2011 spondierte sie zur Magistra rer. nat. Im Jahr darauf schloss sie die Ausbildung zur Klinischen und Gesundheitspsychologin ab.

Mehrere Jahre war sie dann im Übergangswohnprojekt „Neuland“ für forensisch-psychiatrische Patientinnen und Patienten tätig. „Ich wollte dann aber eine Veränderung, habe einen Beitrag über die geplante Integrierte Versorgung Salzburg gelesen und mich initiativ beworben. Das war einfach genau das, was ich machen wollte.“

In ihrem Job sieht die engagierte Psychologin naturgemäß nicht nur Positives. „Um dem entgegenzuwirken, haben wir regelmäßig Supervision, Intervision und pflegen einen guten Austausch im Team. So gelingt es mir ganz gut, nach der Arbeit auch geistig die Tür hinter mir zuzumachen.“ Ihren Ausgleich findet Theresa Stemeseder zum einen in der Musik: „Im Kindergarten habe ich mit Blockflöte begonnen, seit meinem achten Lebensjahr spiele ich Klavier, hauptsächlich Klassik. Ich habe auch Gesangsstunden genommen und kann mich auf der Gitarre selbst begleiten.“

Zum anderen ist die junge Flachgauerin auch körperlich sehr aktiv: „Ich liebe Sport und die Natur, bin gerne am Berg und am See.“ Privat, aber auch beruflich ist sie viel mit dem Fahrrad unterwegs: „Für die Betreuung unserer Patientinnen und Patienten in der Stadt wurde uns ein Elektrofahrrad zur Verfügung gestellt.“ Abstand zum Job findet sie auch bei der Arbeit im eigenen Haus, das sie mit ihrem Lebensgefährten gebaut hat.

Einen Wunsch hat Theresa Stemeseder an die Verantwortlichen der Gesundheitspolitik: „Ich bin absolut überzeugt von der Wirksamkeit unserer täglichen Arbeit. Es wäre toll, wenn unser Modell auch auf andere Störungsbilder wie Sucht-Erkrankungen oder gerontopsychiatrische Erkrankungen ausgeweitet wird.“

Weitere Facts:

  • Die IVS ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landes Salzburg, der ÖGK, des Universitätsklinikums Salzburg und des Kardinal Schwarzenberg Klinikums in Schwarzach.
  • Die erste Auswertung der Erhebung nach zwei Jahren zeigte im Frühjahr 2020 eine Reduzierung der durchschnittlichen stationären Aufenthaltsdauer der Patientinnen und Patienten von 73 auf 16 Tage. Die Zahl der (zwangsweisen) Unterbringungen sank um 70 Prozent.
  • Zum Institut für Klinische Psychologie der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik gehören alle 77 Psychologinnen und Psychologen, die an den Salzburger Landesklinik arbeiten. Ihre Tätigkeiten erstrecken sich auf alle fünf Standorte.
  • Die Klinischen Psychologinnen und Psychologen sind zudem in verschiedensten Gremien vertreten wie in der Ethikkommission, im Ethikkomitee oder in der Qualitätssicherungskommission.
  • Neben den klinischen Tätigkeiten sind fast alle Klinischen Psychologinnen und Psychologen auch in der Lehre (PMU, Fachhochschule, Gesundheits- und Krankenpflegeschule der SALK, Paris-Lodron-Universität, Berufsausbildung) sowie in der Forschung tätig.
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