„Schon als Kind operierte ich Frösche, ich weiß selbst nicht genau warum“, erinnert sich
Dr. Julio Ellacuriaga San Martin. „Es war klar, dass ich Arzt werden wollte.“ Für ein Kind der gehobenen Mittelschicht in Lima, Peru – die Mutter war Schuldirektorin und Unternehmerin, der Vater Professor – ein realisierbarer Traum. Um die wenigen privaten und öffentlichen Studienplätze für Medizin bewarben sich jedoch stets Tausende, der wissbegierige Julio Ellacuriaga landete bei den Aufnahmeprüfungen im vordersten Spitzenfeld und konnte das Studium an der öffentlichen MedUni in Lima beginnen. Ein Bekannter der Familie, der an der damals renommiertesten Klinik für Gefäßchirurgie, dem Texas Heart Institute in Houston, tätig gewesen war, ermöglichte ihm in den folgenden Jahren Ferialpraktika am größten Krankenhaus der Stadt, dem Hospital Nacional Edgardo Rebagliati Martins. Insbesondere musste er Dialysepatienten Shunts (Verbindung zwischen Vene und Schlagader) an den Handgelenken anlegen. Dennoch blieb Zeit, um regelmäßig zu surfen und ein Studentenleben zu führen. Das vorgeschriebene praktische Jahr konnte er dank seiner Leistungen auf einer der sechs bezahlten Stellen absolvieren, um die sich 3000 Absolventen beworben hatten.

Dienstort für das Sozialpraktikum war Capilla Pampa in der Nähe von Puno im Süden Perus, oder vielmehr die Krankenstation auf über 5000 Metern Meereshöhe, die er nach zweistündigem Fußmarsch erreichte. Dass es sich bei dem Ort um eine Goldgräbersiedlung handelte, stellte er erst bei seiner Ankunft fest. Kein Strom, kein Internet, dünne Luft und Kälte. Erst nach drei Monaten konnte er mit seiner Familie erstmals Kontakt aufnehmen. Die Goldstücke, die Patienten ihm als Bezahlung anboten, wagte er aus Angst vor Überfällen nicht anzunehmen. Ein zweiter Kollege sei dort reich geworden, erzählt Dr. Ellacuriaga schmunzelnd. Seine Patienten waren ihm auch nicht geheuer, die Goldsucher seien zum Teil zwielichtige Gestalten gewesen. Meist kamen sie mit kleineren Beschwerden wie Husten. Sein Vortrag über Hepatitis B wurde von der Krankenschwester aus dem Spanischen in Quechua übersetzt. Schließlich verbrachte er im Wechsel jeweils eine Woche auf der Krankenstation und zwei Wochen in Capilla Pampa. In dem kleinen Ort gab es immerhin Internet, warmes Wasser und Strom.

Nach der Chirurgieausbildung in Lima wechselte er aus privaten Gründen nach Österreich. Zwei Jahre und 13 mündliche Prüfungen später hatte er die Nostrifikation der MedUni Wien in der Tasche, nicht ohne zuvor Deutsch gelernt zu haben. Während der Praktika eröffnete sich ihm mit der Neurochirurgie ein spannendes Tätigkeitsfeld. Operationen mit dem Mikroskop, wie sie bei kleinen Gefäß- und Nerven-Anastomosen gemacht werden, weckten seine Leidenschaft für Mikrochirurgie. Mit Hilfe des Darlehens einer Tante nahm er den Master an der Europäischen Schule für Mikrochirurgie der Universidad Autónoma de Barcelona in Angriff, wo die besten plastischen Chirurgen Europas lehrten. Immer wieder wirkte er in der Folge als Tutor bei Kursen für Mikrochirurgie mit.

Mittlerweile hat er seine Heimat in Salzburg gefunden, wo er auch die Facharztausbildung zum Gefäßchirurgen absolvierte und Teil des Teams der Division für Gefäßchirurgie der Universitätsklinik für Herzchirurgie um Dozent Klaus Linni und Professor Rainald Seitelberger ist.
Der einstige Surfer – Lima liegt an der Pazifikküste – begeistert sich jetzt für Triathlon und Gravel-Bike, auch Schifahren hat er in den zehn Jahren, die er mittlerweile in Österreich ist, gelernt. Viel Zeit verbringt er mit Tochter und Freundin, die ebenfalls sehr sportlich sind.

Weitere Facts

  • Geboren und aufgewachsen in Huaraz, Peru
  • Medizinstudium an der öffentlichen Universität Lima
  • Ferialpraktika am größten Krankenhaus der Stadt, dem Hospital Rebagliati
  • Assistenzarzt für Allgemeinchirurgie, Clinica Montefiori de Lima
  • Master für Mikrochirurgie an der Universidad Autónoma de Barcelona
  • Internationaler Tutor für Mikrochirurgie
  • Publikationen in Deutsch, Englisch und Spanisch
  • Facharzt für Gefäßchirurgie am Uniklinikum Salzburg LKH
  • Lebt mit seiner Tochter Victoria und der bayrischen Freundin in Salzburg, Peru ist mittlerweile Urlaubsland
Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH | Müllner Hauptstraße 48 | A-5020 Salzburg
Telefon: +43 (0)5 7255-0 | Fax: +43 (0)5 7255-20199 | © 2013-2020
Letzte Änderung: 21.09.2020 Impressum Datenschutz AGB
x schließen