„Ich habe natürlich Respekt vor dieser Krankheit, aber keine Angst. Ich denke, wenn man sich fürchtet, kann man seine Arbeit hier nicht machen“, sagt Cornelia Kunit. Die 36-jährige Oberärztin und Intensivmedizinerin ist seit Anfang November am Uniklinikum Campus LKH auf der Intensivstation 1d für die Betreuung von COVID-Patienten zuständig. „Ein bisschen Aufregung war natürlich vorher schon dabei, weil es ja auch wieder eine neue Aufgabe war.“

In der ersten Phase der Pandemie im Frühjahr war sie noch im Non-COVID-Bereich eingeteilt. „Ich habe mich aber mit Kollegen aus dem COVID-Bereich immer ausgetauscht, also wusste ich bereits, was mich erwartet.“ Und außerdem hat sie auch auf „normalen“ Intensivstationen immer wieder infektiöse Patienten behandelt, für die dieselben Hygienevorschriften gelten wie im COVID-Bereich. „Ich tue das, was ich gelernt habe und wofür ich ausgebildet wurde. Angst habe ich nur davor, meine Familie anzustecken. Und unwohl fühle ich mich, wenn ich merke, dass sich meine Umgebung gar nicht an die Verhaltensregeln hält.“

Ihre Ausbildung absolvierte die in Kufstein aufgewachsene Tirolerin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU). Beim Studium lernte sie auch ihren späteren Ehemann Thomas Kunit kennen, der heute als Leitender und 1. Oberarzt an der Uniklinik für Urologie und Andrologie ebenfalls am Uniklinikum Campus LKH arbeitet. Die beiden gehörten 2008 zum ersten Jahrgang der PMU-Absolventen.

Cornelia Kunit begann dann ihren Turnus im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Salzburg. 2010 ging sie nach Linz, wo sie mit der Ausbildung zur Fachärztin für Anästhesiologie und Intensivmedizin startete, die sie ab 2013 am Uniklinikum Salzburg fortsetzte und 2015 abschloss. Ab 2016 folgte eine familiär bedingte Pause – Sohn Lukas kam zur Welt. 2017 kehrte Cornelia Kunit mit einer 50-Prozent-Anstellung ins Uniklinikum und in den Intensivbereich zurück.

Familie und Arbeit lassen sich für die junge Ärztin und Mutter gut vereinbaren. „Natürlich tue ich mir leicht, weil ich einen Mann habe, der mich voll unterstützt. Außerdem spielen meine Eltern und Schwiegereltern in der Kinderbetreuung eine wichtige Rolle.“ Das Privatleben hat sich aber mit der aktuellen COVID-Situation etwas verändert. „Ich trete meinen Eltern und Schwiegereltern mit FFP-2-Maske gegenüber. Ich versuche, sie zu schützen. Die privaten Kontakte mit anderen Personen hatten wir bereits vor dem zweiten Lockdown reduziert – Treffen fanden nur noch mit einer weiteren Familie oder im Freien statt.“

Die Zusammenarbeit auf der Intensivstation 1d ist für Mediziner und Pflege eine Herausforderung. Schließlich kommen die Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen. „Wir sind noch kein hundertprozentig zusammengeschweißtes Team, in dem jeder jeden mit Vornamen kennt. Das ist in der Kürze ja gar nicht machbar.“ Zudem werden laufend neue Pflegekräfte zur Einschulung zugeteilt.

Dennoch sei die Stimmung gut, so Cornelia Kunit: „Die Patienten sind zwar sehr aufwändig zu pflegen. Oft müssen sie bauchgelagert werden, damit andere Lungenbereiche aktiviert werden, und es ist eine sehr langwierige Erkrankung, in der es immer wieder ein Auf und Ab gibt. Aber wir konnten schon einige Patienten wieder auf Normalstationen zurückverlegen. Es ist für uns im Hinblick auf die psychische Belastung auch wichtig zu sehen, dass im positiven Sinne etwas weitergeht.“ 

Ein weiterer Grund für die gute Stimmung sei auch der kollegiale Umgang, der am Uniklinikum auf den Intensivstationen gelebt wird: „Wir betreuen die Menschen wirklich im Team aus Ärzten und Pflege – das habe ich in anderen Häusern anders erlebt.“ Zudem sei COVID für alle Beteiligten eine neue Erkrankung, was bedeutet, dass auch jüngere Mitarbeiter wichtige Erfahrungen und eigene Beiträge einbringen können. „Ich erlebe hier einen innovativen, positiven Fluss.“

Drei Tage pro Woche arbeitet Cornelia Kunit derzeit in der Intensivstation 1d. Die restliche Zeit gehört vor allem ihrer Familie und manches Mal auch dem Sport – mit Radfahren und Laufen hält sich die junge Oberärztin fit. „Aber eigentlich ist meine Familie Hobby genug nach der Arbeit“, wie sie mit einem Augenzwinkern erzählt.

Weitere Facts:

  • Für die COVID-Intensivversorgung stehen in einem Fünf-Stufen-Plan landesweit aktuell 45 Betten zur Verfügung – 35 davon am Uniklinikum Campus LKH, zehn weitere am Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach.
  • Für den COVID- und Non-COVID-Bereich gibt es im Bundesland Salzburg in Summe 137 Intensivbetten.
  • In den Intensivpflegestationen des Uniklinikums (Campus LKH und Campus CDK) und der Landeskliniken Hallein und Tamsweg arbeiten aktuell insgesamt 47 Mediziner und 367 Pflegekräfte.
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