Oder wie es ein österreichischer Fußballer einmal ausdrückte: „Es ist nicht egal, was man oben einfüllt.“ So ist Karin Spiesz die Zusammenarbeit mit dem Küchenteam der Klinikgastronomie besonders wichtig, um ein Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten sowie aller Mitarbeiter durch gute Ernährung sicherzustellen. Sie sollen die bestmögliche Verpflegung nach ernährungsphysiologischen Vorgaben erhalten.
„Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für uns besonders wichtig, das liegt in der Natur der Sache“, betont Karin Spiesz. Werden doch viele Krankheiten und Beschwerden durch verschiedene Ernährungsformen positiv oder negativ beeinflusst. Bei manchen Krankheitsbildern wie Allergien und Unverträglichkeiten, Adipositas oder Diabetes ist die Ernährung essentiell.

1960 baute man eine eigene Diätküche an die bestehende Spitalsküche an. Die Leitung der Diätküche oblag einer geistlichen Schwester. Als erste Diätassistentin im LKH war Schwester Immaculata für die Betreuung von Diätpatienten eine Institution. Bereits 1980 wurde der erste eigene Beratungsraum genehmigt, um die von den Ärzten angeforderten Diätberatungen durchführen zu können. Das Team war zunächst zweiköpfig, zusammen mit der heutigen Leiterin Maria Anna Benedikt. 1983 begann Karin Spiesz nach Absolvierung der Diätschule in St. Pölten zunächst als Karenzvertretung, wobei durch den Neubau des Zentralen Wirtschaftsgebäudes mit einer modernen Zentralküche eine weitere Stelle geschaffen werden konnte. 1986 wurde die Leitung der Diätküche einem Koch übergeben, damit waren Ressourcen für eine eigene Abteilung Ernährungsmedizinische Beratung (vormals Diätberatung) geschaffen. Mittlerweile kümmert sich ein Team von 14 Diätologinnen mit großem Einsatz um die Belange der Ernährung.

Zu den Fachgebieten der gebürtigen Pongauerin aus Altenmarkt zählen unter anderem die Betreuung von Nahrungsmittelallergikern im Kindes- und Erwachsenenalter und Patienten mit Unverträglichkeiten oder Magen-Darmerkrankungen. Bereits ab 1996 konnte Karin Spiesz gemeinsam mit dem ehemaligen 1. Oberarzt des Kinderspitals, Isidor Huttegger, die stationäre Provokation als letzten Diagnoseschritt zum Beweis einer klinisch relevanten Nahrungsmittelallergie etablieren. Damit wurde in Salzburg Pionierarbeit geleistet, erstmals konnten in Österreich Kinder mit Nahrungsmittelallergien bestmöglich versorgt werden. Viele Vorträge für Fachpublikum in ganz Österreich folgten, es wurde an der Erstellung von Leitlinien mitgearbeitet und zum Thema publiziert. Da es sich bei der Nahrungsmittelallergie um einen dynamischen Prozess handelt, eine Toleranzentwicklung möglich ist, muss eine ärztliche Abklärung in regelmäßigen Schritten erfolgen. „Experimente durch die Eltern selbst, was ihr Kind verträgt und was nicht, sind nicht ratsam“, betont die erfahrene Diätologin. Das konnte sie auch in einem Artikel in der Medical Tribune darlegen.

„Nahrungsmittelallergien sind eine Kehrseite der segensreichen Wirkungen des Immunsystems“, erklärt Karin Spiesz. „Auslöser sind Proteine (Eiweiße) in den Nahrungsmitteln, die vom Immunsystem irrtümlich bekämpft werden.“ Immerhin zwei bis fünf Prozent der Kinder leiden an einer echten Nahrungsmittelallergie. Zur Zunahme von Allergien gibt es viele Theorien. Als Auslöser werden das Rauchen, Umweltverschmutzung, Diesel, sozioökonomische Faktoren oder die Ernährungsweise vermutet. Die Hygiene- oder Urwaldtheorie besagt, dass eine starke Abnahme von Bakterien und Parasiten in der modernen westlichen Welt der Grund für eine reduzierte Immunabwehr sein könnte.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind in aller Munde, so können die Histamine in Fisch und Meeresfrüchten, Rotwein, Hartkäse, Schokolade oder Prosciutto Auslöser für Migräne sein. Auch hier ist Karin Spiesz ausgewiesene Expertin. Betroffene führen ein Ernährungstagebuch, um jene Stoffe identifizieren zu können, deren Menge oder Art Beschwerden des Verdauungsapparates, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Leistungsminderung verursachen. Die häufigsten Unverträglichkeiten treten bei Zuckerstoffen wie Milchzucker (Laktose), Fruchtzucker (Fruktose) und Sorbit (Zuckeralkohol) auf. Instant-Cappuccinos sind Laktosebomben und Energydrinks enthalten sehr viel Fruktose. Durch die Globalisierung kommen wir leicht an Speisen, an deren Inhaltsstoffe unser Verdauungstrakt in hohen Konzentrationen nicht wirklich gewöhnt ist, etwa exotische Früchte in Smoothies, Soja und ähnliches.
Bis zu 25 Prozent der Österreicher leiden darunter, eine gezielte Nahrungsumstellung kann Beschwerden massiv reduzieren und den Genuss zurückbringen.

Generell umfassen die Aufgaben der Diätologen ausserdem im stationären Setting die Durchführung von Ernährungstherapien, Ernährungsberatungen und Ernährungsvisiten sowie das Berechnen von individuellen Konzepten für enterale und parenterale Ernährung (Trink- und Sondennahrung bzw. über Infusion).

Ausgleich findet Karin Spiesz beim Golfen, für das sie in der gar nicht mehr so fernen Pension mehr Zeit zu finden hofft: „Das Golfspiel lässt mich total abschalten. Ich bin sowieso gern in der Natur, Wandern etc., Hauptsache draußen“.

Weitere Facts

  • Geboren in Radstadt und aufgewachsen in Altenmarkt
  • Ausbildung zur Diätassistentin an der Diätschule in St.Pölten
  • Diplomierung 1982 zur Diätassistentin & Ernährungsmedizinischen Beraterin
  • Dienstantritt Uniklinikum LKH 1983
  • Hält Vorlesungen an den Fachhochschulen für Diaetologie in Linz, Bad Gleichenberg und Bozen
  • Fachgebiete: Nahrungsmittelallergien und- unverträglichkeiten, chronisch entzündliche Darmerkrankungen; Küchenadministration
  • Eine Tochter, in zweiter Ehe verheiratet seit 2003
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