„Ich bin die mit dem magischen Finger“, lacht Dr. Gabriele Holfeld Weitlof und schaltet mit ihrem Daumenabdruck eines jener Tablets frei, über das die Impfungen gegen SARS-CoV-2 direkt in den bundesweiten elektronischen Impfpass eingetragen werden. Die Allgemein- und Arbeitsmedizinerin leitet seit drei Jahren den Arbeitsmedizinischen Dienst (AMD) in den Salzburger Landeskliniken. Während sie und ihr Team in der Vergangenheit Ansprechstation für alle physischen und psychischen Probleme am Arbeitsplatz waren, hat sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie das Tätigkeitsfeld massiv erweitert.

In den vergangenen Monaten baute der AMD ein Contact-Tracing-Team auf, das die Kontakte von infizierten Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen gleichermaßen nachverfolgt. Mittlerweile wickeln acht Personen täglich von 8 bis 20 Uhr jene Meldungen ab, die an die Mail-Adresse positiv@salk.at geschickt werden. Zudem ist der AMD zentraler Bestandteil einer Projektgruppe, deren Aufgabe der Aufbau und Betrieb einer Teststraße für Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiter am Uniklinikum Campus LKH und CKD ist.

Dr. Josef Ramsauer, Flavio Müller, Dr. Jürgen Kersten, Wolfgang Krallinger MSc, Reinhard Eberl MSc, Brigitte Kucher, Andrea Wurzer MBA, Dr. Gabriele Holfeld-Weitlof, Barbara Rumpl, Dr. Doris Nimmervoll, Petra Trattner, Dr. Susanne Schwab.

Und bereits im vergangenen Dezember begannen in den Salzburger Landeskliniken die Vorbereitungen für die Impfungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen SARS-CoV-2 – mittlerweile sind mehr als 5200 Personen zumindest einmal geimpft (siehe weitere Facts). „Wir hatten natürlich schon Erfahrung mit Impfaktionen, zum Beispiel gegen Influenza. Aber das war schon ein viel größeres Projekt, weil es ja eine neue Impfung war, es unterschiedliche Impfstoffe gibt, und natürlich die Dokumentation auch bundesweit erfolgen muss“, schildert Dr. Holfeld-Weitlof. „Mit Wolfgang Krallinger vom Team der Projektentwicklung, der die Impf-Projektgruppe leitet und seinem Kollegen Reinhard Eberl bin ich viele, viele Stunden gesessen: Wie schaffen wir es, die Menschen so in die Impfstraße zu bringen, dass keine Warteschlagen entstehen und dennoch zügig geimpft werden kann? Wie gehen wir mit möglichen Reaktionen um? Es sollten ja nicht zu viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Teams ausfallen.“

Zumindest an den Salzburger Landeskliniken ist die Impfung gegen SARS-CoV-2 eine Erfolgsgeschichte: „Am Anfang, im Dezember, mussten wir viele Fragen beantworten und auch Widerstände überwinden“, erinnert sich Dr. Holfeld-Weitlof: „Der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer und Moderna war völlig neu – wir haben uns hier für eine offene, möglichste objektive Kommunikation entschieden.“ Dann kam die weltweit medial ausgetragene Debatte rund um das Vakzin von AstraZeneca: „Und auf einmal wollten alle den mRNA-Impfstoff“, kann die AMD-Chefin heute im Rückblick auf die herausfordernden Tage und Wochen wieder schmunzeln.

Gemeinsam mit Professorin Uta Hoppe, der Vorständin der Uniklinik für Innere Medizin II und Leiterin des medizinischen Expertengremiums des Landes, beantwortete Dr. Holfeld schriftlich und via Videostream jede einzelne Frage, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den SALK-Foren gestellt hatten. Die beiden führten auch unzählige Einzelgespräche. „Es hat sich ausgezahlt, die Durchimpfungsrate liegt bei deutlich über 60 Prozent und ist damit viel höher als etwa bei Influenza.“

Geimpft wurde an den Salzburger Landeskliniken am Anfang dezentral in einigen Unikliniken. Als dann mehr Impfstoff eintraf, wurde in den Räumen des AMD eine Impfstraße eingerichtet. Bis zu 30 Impfungen pro Stunde führten Dr. Holfeld-Weitlof und ihre vier Kolleginnen und Kollegen aus dem medizinischen Bereich durch. Unterstützt wurden sie dabei von vier Pflegekräften, die im AMD tätig sind und zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen, aber auch von anderen Bereichen wie der Informationstechnik, der Pflegedirektion, der Ärztlichen Direktion und der Landesapotheke, über die die Impfstoffe bestellt und angeliefert wurden.

Der Arztberuf war eigentlich schon immer ihre Wunschkarriere. Nach vier Jahren in Innsbruck zog es Dr. Holfeld-Weitlof nach Wien, weil sie nun beschlossen hatte, Schauspielerin werden zu wollen. „Bei der ersten Stunde des Sprechunterrichtes wurde ich aber auf einen S-Fehler aufmerksam gemacht. Dann habe ich mir gedacht, das ganze Leben ist eine Bühne und habe noch zwei Jahre weiter Medizin studiert“, lacht Dr. Holfeld-Weitlof. 1994 begann sie als Arbeitsmedizinerin in Teilzeit am damaligen St. Johanns-Spital, dem heutigen Uniklinikum Campus LKH. An eine leitende Position habe sie eigentlich nie gedacht, erinnert sie sich. Daher baute sie nebenbei eine Praxis für ganzheitliche Medizin aus, die sie im alten Salzburger Kurhaus führte und die heute in der Lasserstraße untergebracht ist.

Dr. Holfeld-Weitlof ist ruhe- und rastlos – im positiven Sinn: „Ich sehe mich als positiven Menschen mit viel Energie. Ich will mich immer weiterentwickeln und verändern.“ Daher absolvierte sie zahlreiche Zusatzausbildungen – unter anderem für Psychosomatik, Ernährungsmedizin, orthomolekulare Medizin, Palliativmedizin, Hypnosetherapie oder Holopathie. „Ich bin mit Herz, Zeit und Ohren bei meinen Patientinnen und Patienten. Ich finde jede Geschichte speziell und versuche, vor allem chronische Fälle zu lösen“, lächelt sie.

Seit sechs Jahren ist die AMD-Chefin der Landeskliniken auch ehrenamtlich für Afrika Amini Alama tätig: Seit 2009 leistet Christine Wallner in Tansania Hilfe zur Selbsthilfe – neben Werkstätten, Schulen, einem Waisenhaus gehört auch ein Spital zu diesem Vorzeigeprojekt. „Ich habe mit Hilfe der Salzburger Landeskliniken bereits ausgeschiedene Röntgen- und Ultraschallgeräte sowie anderes so wichtiges medizinisches Equipment runtertransportiert.“

Vor der Corona-Pandemie war Dr. Holfeld-Weitlof in ihrem Urlaub immer zwei bis drei Wochen dort tätig. „Wenn ich dort in meinem Zelt aufwache, erlebe ich nur die Weite und Schönheit des Landes. Das gibt mir auch unendlich viel Kraft und positive Energie.“ Im heimischen Salzburg holt sie sich beides durch den Sport: „Seit 21 Jahren laufe ich jeden Morgen und einmal im Jahr auch einen Marathon. Dabei bekomme ich den Kopf so richtig frei.“

Weitere Facts

  • Zu impfen sind an den Salzburger Landeskliniken neben den eigenen 6570 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die ständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Fremdfirmen (z. B. Reinigung, Sterilisation von medizinischen Geräten, Patiententransport, Zutrittskontrollen …) Studierende, Praktikantinnen und Praktikanten, Zivildiener, Forschungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. In Summe sind das 8159 Personen
  • Aktuell sind davon rund 5200 Personen (64 Prozent) geimpft: 1200 bzw. 600 zweimal mit BioNTech/Pfizer bzw. Moderna und 3400 bislang einmal mit AstraZeneca.
  • Bei den Medizinerinnen und Medizinern liegt die Impfrate bei mehr als 80 Prozent, bei den Pflegekräften bei rund 65 Prozent.
  • Die ersten Impfungen fanden in den Salzburger Landeskliniken am 5. Jänner 2021 statt – mittlerweile ist die Aktion bis auf Neueintritte und Personen, die bislang aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden konnten, weitgehend abgeschlossen.
  • Gemäß COVID-Schutzmaßnahmenverordnung des Bundes müssen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salzburger Landeskliniken zumindest einmal pro Woche getestet werden.
  • Das Personal der Klinken wird am Uniklinikum dezentral in den einzelnen Kliniken getestet, nicht-klinisches Personal zentral in Teststraßen am Uniklinikum Campus LKH und CDK.
  • Dem Arbeitsmedizinischen Dienst (AMD) sind aktuell fünf Ärztinnen und Ärzte, vier Pflegekräfte, zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen, acht Contact-Tracer sowie sechs administrative Kräfte in den Testrassen zugeteilt.
  • Dr. Gabriele Holfeld-Weitlof lebt mit ihrem Ehemann, dem Coach und Mediator Alfred Freudenthaler, in Morzg. Ihr Sohn Lucas (29) hat als Butler einen eher ungewöhnlichen Beruf.
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