„Eine Herzdruckmassage in Notfällen sollte in Österreich eine Kulturfertigkeit sein – so wie Lesen, Schwimmen oder Radfahren“, ist Dr. Bernhard Schnöll, Oberarzt an der Uniklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, überzeugt. Aus seiner täglichen Praxis als Anästhesist und Notfallmediziner weiß der 37-Jährige, wie entscheidend es im Falle des Falles ist, wenn engagierte Ersthelfer keine Scheu zeigen und bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand Hand anlegen: „Bereits nach drei Minuten beginnt das Gehirn, schweren Schaden zu nehmen – gleichzeitig dauert es im Schnitt acht Minuten, bis das Notarztteam eintrifft. Diesen Gap müssen wir abdecken.“

Studien zeigen, dass in Österreich nur jeder fünfte Zeuge bzw. Beteiligte eines Unfalls oder Notfalls versuchen würde, eine betroffene Person zu reanimieren. Und hier setzt das Projekt „Kids Save Lives“ an, das Dr. Schnöll ins Leben gerufen hat: In seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für das Rote Kreuz und als ERC-Instructor (European Resuscitation Council – Europäischer Rat für Wiederbelebung) für Advanced Life Support hat er immer wieder gesehen, „mit wieviel Leichtigkeit und Spaß Kinder an die Sache herangehen“. Was lag also näher, als die ERC-Initiative „Kids Save Lives“ und damit die Notfallreanimation auch in die Salzburger Schulen zu bringen. „In Skandinavien ist das Teil des Lehrplans, bei uns bisher nur eine Empfehlung.“

Dr. Wolfgang Fleischmann, Leitender Oberarzt an der Uniklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Leitender Notfallmediziner im Bundesland Salzburg, war sofort Feuer und Flamme für die Idee. „Tolle Unterstützung kommt auch von Bildungslandesrätin Daniela Gutschi und dem Jugendrotkreuz, das die Organisation übernimmt.“ Konkret bilden Dr. Schnöll und Dr. Fleischmann Lehrerinnen und Lehrer in der Herzdruckmassage aus, damit diese die Fertigkeiten an ihre Schülerinnen und Schüler weitergeben: „Ideal lässt sich das in den Sportunterricht einbauen, in Supplierstunden oder in Projekttage vor den Sommerferien“, ist Dr. Schnöll überzeugt.

Elf Schulen im gesamten Bundesland beteiligen sich in der aktuell laufenden Pilotphase am Projekt. In der Mittelschule Obertrum zeigten die beiden engagierten Notzärzte den Schülerinnen und Schülern der dritten Klasse zum Auftakt selbst vor, wie Herzdruckmassage funktioniert. „Man muss keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Man kann das Herz nicht kaputt machen.“ Und so übten die Mädchen und Buben zum Rhythmus von „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees an den „Mini Anne“-Puppen, die jede teilnehmende Schule erhält.

Die Pilotphase von „Kids Save Lives“ in Salzburg wird nun laufend evaluiert, damit das Projekt bei Bedarf weiterentwickelt werden kann.

Apropos Schule: Dort wurde auch Dr. Schnölls Interesse für Medizin geweckt – „es war mein Biologielehrer im Gymnasium“, verrät er mit einem Augenzwinkern. Mit 17 Jahren trat der Grödiger dem Roten Kreuz bei und ließ sich zum freiwilligen Rettungssanitäter ausbilden. Sein Medizinstudium absolvierte er in Wien, die Turnus- und Facharzt-Ausbildung am Uniklinikum Campus LKH und im Krankenhaus Oberndorf.

Bereits von Beginn an sei für ihn klar gewesen, dass sein Herz der Anästhesie und Notfallmedizin gehört. Seit 2014 arbeitet Dr. Schnöll als Facharzt an der Uniklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, seit vier Jahren ist er zudem Notarzt – anfangs am NEF (Notarzt-Einsatzfahrzeug) und seit rund vier Monaten auch am Rettungshubschrauber Christophorus 6 (C6) – siehe weitere Facts.

In seiner weiteren Laufbahn will er sich dem Bereich der Kinder-Anästhesie und Kinder-Intensivmedizin widmen. „Das hat sich aus meiner bisherigen Tätigkeit ergeben, weil ich im Rahmen meiner Ausbildung die Arbeit im Kinder-OP als sehr interessant und erfüllend empfunden habe.“

Dr. Schnöll ist mit der diplomierten Intensivpflegerin Monika Schnöll verheiratet, die am Uniklinikum Campus LKH auf einer Intensivstation im Haus A (Chirurgie West) tätig ist. Die beiden haben eine sechs- und eine neunjährige Tochter. Wie gehen ein Notarzt und eine Intensivpflegerin, die beide wissen, was sich im Leben ereignen kann, mit ihren eigenen Kindern um? „Ganz normal“, meint Dr. Schnöll: „Wir schaffen es gut, zwischen Arbeit und Privatleben zu trennen und die Geschehnisse in der Arbeit nicht nach Hause zu nehmen. Das muss auch so sein.“

Seine Freizeit widmet Dr. Bernhard Schnöll seiner Familie und seinen Freunden, dem Sport und dem Roten Kreuz, für das er weiterhin ehrenamtlich tätig ist: „Ich bin Abteilungsarzt in der Dienststelle Seekirchen und in der Rettungssanitäter-Ausbildung tätig.“ 

Weitere Facts

  • Das Projekt „Kids Save Lives“ ist eine Initiative von Uniklinikum Salzburg, Jugendrotkreuz und Land Salzburg, die vom Medizinprodukte-Hersteller Laerdal Medical und der Uniqa-Versicherung unterstützt wird.
  • An der Uniklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin sind rund 100 Ärztinnen und Ärzte sowie knapp 340 Pflegekräfte tätig.
  • Jährlich werden am Uniklinikum Campus LKH rund 33.000 Anästhesien durchgeführt.
  • Die Uniklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin betreibt darüber hinaus vier Intensivstationen mit 41 Betten.
  • Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des UKH Salzburg versehen die Ärztinnen und Ärzte der Uniklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin in der Region Salzburg-Nord (Stadt, Flachgau und Tennengau) auch Dienst auf den NEF (Notarzt-Einsatzfahrzeuge) und am Rettungshubschrauber Christophorus 6 (C6) des ÖAMTC.
  • Die Teams sind jeweils zu dritt: Der ÖAMTC stellt die Piloten, das Rote Kreuz die Notfallsanitäterinnen und -sanitäter und das Uniklinikum oder UKH die Notärztinnen und -ärzte.
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