Sabine Moosleitner (52) ist seit 1989 am Uniklinikum Salzburg Campus LKH beschäftigt. Seit 5 Jahren ist die Stadt-Salzburgerin leitende Pflegeperson der internistischen Intensivstation CCU, die zur Uniklinik für Innere Medizin II gehört. Zum Zeitpunkt des Interviews, Freitag, 19. November, waren 11 der 17 Betten für COVID-Patientinnen und -Patienten gewidmet. An der CCU sind 75 Pflegekräfte beschäftigt.

Ihr Team versorgt aktuell 11 COVID-Intensivpatientinnen und -patienten, die alle ungeimpft sind. Wie gehen Sie damit um?

Die Frustration und der Ärger im Team werden doch größer, weil wir immer nur ungeimpfte Patientinnen und -patienten aufnehmen müssen. Es gibt natürlich Impfdurchbrüche, die sind aber nicht bis zu uns gekommen. Wir haben seit einigen Tagen wirklich nur mehr ungeimpfte Patientinnen und Patienten.

Wie ist generell die Stimmung in Ihrem Team?

Die Stimmung ist noch gut. Natürlich sind wir angespannt und haben viel Arbeit, der Aufwand ist enorm. Aber der Zusammenhalt der Leute und das Teamgefüge sind völlig in Ordnung. Es bleibt auch noch ab und zu Platz für ein wenig Spaß. Das ist gerade in unserer Situation ganz wichtig – so motivieren wir uns auch gegenseitig immer wieder.

Wie schwierig ist es für Sie, die Dienstpläne zu besetzen? Es gibt doch sicher auch bei Ihnen Krankenstände und Mütter und Väter, die ihre Kinder in Quarantäne betreuen müssen …

Die Situation ist für alle Mitarbeiter sehr herausfordernd. Die persönlichen Konsequenzen für die Pflege und alle anderen Gesundheitsberufe ist enorm. Viele Mütter müssen bei jeder Änderung die komplette Versorgung der Kinder völlig neu strukturieren, von der eigenen Freizeitplanung ist seit Beginn der Pandemie gar keine Rede. Zurzeit sind Einspringerdienste aber noch gut zu organisieren, weil das Team praktisch durchgeimpft ist. Die Fehlzeiten sind noch sehr gering und gut zu bewältigen. In einem so guten Gefüge ist es leichter, Ersatzdienste zu finden.

Was macht die Betreuung von COVID-Intensivpatientinnen und -patienten so aufwändig?

Zum einen ist die Schutzausrüstung eine Belastung. Diese müssen wir mehrere Male am Tag an- und ausziehen, das ist sehr arbeitsaufwändig. Die Patientinnen und Patienten werden vorwiegend nichtinvasiv beatmet. Das heißt: Beatmungsmaske immer wieder rauf und runter. Die Lagerung der wachen Patientinnen und Patienten muss immer wieder neu erfolgen, weil sich die Personen ja bewegen. Das alles hat das Ziel, dass sie keinen Tubus brauchen, also nicht künstlich beatmet werden müssen.

Viele Patientinnen und Patienten müssen bauchgelagert werden. Warum ist das notwendig und was ist das Schwierige daran?

Es gibt eine viel bessere und weitere Lungenbelüftung, wenn die Patientinnen und Patienten in Bauchlage sind, weil die hinteren Areale gut belüftet werden. Es gibt ein eigenes Bauchlageschema für wache Patientinnen und Patienten, die kooperativ sind. Besonders aufwändig ist das bei Patientinnen und Patienten, die künstlich beatmet werden, also nicht bei Bewusstsein sind. Diese müssen mit der ganzen Gerätschaft und allen Kabeln umgedreht werden. Dafür sind mindestens zwei Pflegekräfte und eine Ärztin oder ein Arzt notwendig.

Stimmt es, dass es Intensivpatientinnen und -patienten gibt, die nicht wahrhaben wollen, dass sie COVID haben?

Wir haben schon einige aufgenommen, die zur Seite drängen, dass sie Corona-positiv sind. Sie sagen dann, sie hätten eine Lungenentzündung, würden nur schwer atmen oder haben was auch immer. Diese Leute sind nicht geimpft und wollen die Wahrheit einfach nicht akzeptieren: Dass es sie jetzt erwischt hat und sie auf einer Intensivstation liegen sind, weil sie ungeimpft sind.

Es soll sogar bereits Attacken auf Pflegepersonen gegeben haben …

Das habe ich von einer anderen Station gehört, bei uns ist das zum Glück noch nicht vorgekommen. Es hat aber schon viele verbale Auseinandersetzungen gegeben. Einzelne Patientinnen und Patienten wollten sogar unsere Pflegekräfte bekehren und haben ihnen erklärt, wie schlecht das Impfen ist.

Wird es da nicht schwierig, solche Personen mit all der Hingabe zu pflegen, die sie brauchen?

Wir haben Gott sei Dank sehr viel „Werkzeug“ von unseren Kriseninterventionsbeauftragten und den Trainings bekommen. Zur Ergänzung wurden Teammitglieder zu Psychosozialen Notfallbeauftragten ausgebildet, welche vor Ort unterstützen. Wir stehen da einfach drüber, legen es nicht in die persönliche Schublade und denken uns: Mein Gott, es ist halt so!

Viele Pflegekräfte berichten, dass sie hart an der Grenze der Belastbarkeit stehen. Wie empfinden Sie die Unterstützung durch die Klinikleitung?

Der Rückhalt und die Unterstützung insbesondere durch die Pflegedirektion sind ausreichend vorhanden. Natürlich ist der Arbeitsaufwand enorm und es ist maximale Flexibilität nötig. Das weiß jeder in der Führungsebene. Aber es ist halt leider so, dass wir am Bett stehen müssen. Wenn wir Unterstützung brauchen, bekommen wir diese sofort.

Was erwarten Sie sich von der Bevölkerung?

Impfen!!! Das ist der wichtigste Beitrag der Bevölkerung. Wir brauchen eine 90-prozentige Durchimpfungsrate, sonst werden wir nächstes Jahr in die 5. Welle schlittern. Und natürlich ist es wichtig, eine FFP-2-Maske zu tragen und vor allem richtig zu tragen. Es ist unglaublich frustrierend für unsere Leute, wenn sie nach einem 12-Stunden-Nachtdienst auf dem Heimweg beim Bäcker jemanden treffen, der die Maske unter der Nase hat, weil er oder sie glaubt, es sei nicht zumutbar, für 3 Minuten eine Maske ordentlich zu tragen. Die FFP-2-Masken schützen einfach unser Leben. Meine Mitarbeiter sind zurzeit einfach ein Wahnsinn! Wenn sie sich aus den hochinfektiösen Bereichen ausschleusen, haben sie rote Nasenrücken, zum Teil müssen wir Hautschutzplatten aufkleben, weil die Nasenrücken offen sind. Sie haben rote Striemen im Gesicht. Das sollten sich bitte alle vor Augen halten, wenn sie glauben, die Maske ist beim Einkaufen eine Belastung!

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