„Die soziale Ader war in mir immer schon vorhanden und ich hatte auch immer einen Draht zu den alten Menschen“, erzählt Dr. Reinhard Alzner. Die Großeltern des Facharztes für Innere Medizin (Geriatrie) waren als Siebenbürger Sachsen nach dem Kriegsende nach Elixhausen gekommen und pflegten enge Beziehungen und viele Freundschaften zu ihren Landesleuten. Im Kreis dieser für ihn älteren Erwachsenen wuchs der heute 42-Jährige auf. 

Zur Medizin kam er über eine ältere Cousine: „Die hat ihr Studium unglaublich interessant geschildert und bei mir einen Schalter umgelegt. Seit meinem 16. Lebensjahr war für mich klar: Ich will Arzt werden.“ Der Weg in ein konservatives Fach war vorgegeben, meint Dr. Alzner mit einem Augenzwinkern: „Ich habe nicht die nötige Fingerfertigkeit für Operationen.“ Im Studium habe sich dann herauskristallisiert, dass die Innere Medizin mit dem Schwerpunkt auf der Behandlung von älteren Menschen das Fach seiner Wahl sein würde.

Anders als etwa in Deutschland ist die Geriatrie in Österreich kein eigenes Fach. „Das wäre aber absolut wünschenswert“, meint Dr. Alzner. Er absolvierte seine Ausbildung am Uniklinikum Salzburg zuerst an den der Unikliniken für Innere Medizin I und II am Campus LKH sowie am Rehabilitationszentrum Großgmain und dann eine Additivfachausbildung mit Schwerpunkt an der Uniklinik für Geriatrie am Campus CDK, die er Ende 2016 abschloss. „Ich finde es interessant, mit älteren Menschen zu arbeiten, wie sie mit Erkrankungen im Alter umgehen und was noch alles möglich ist. Wir haben 82-jährige Besitzer von Saisonkarten für die Skigebiete, aber auch stark eingeschränkte Menschen.“

Mit vielen älteren Patientinnen und Patienten hatte Dr. Alzner auch zu tun, als er im Jänner 2021 für einen Monat auf einer COVID-Bettenstation im Einsatz war: „Anfangs war es einiges an Überwindung“, erinnert er sich, „aus fachlicher und auch aus persönlicher Sicht war die Zeit aber eine sehr große Bereicherung“.

2013 war der damalige Vorstand der Uniklinik für Unfallchirurgie, Professor Herbert Resch, an den Vorstand der Uniklinik für Geriatrie, Professor Bernhard Iglseder, herangetreten und hatte eine engere Zusammenarbeit bei der Behandlung von älteren Unfallpatientinnen und -patienten angeregt. Mit der Zusammenführung der Unikliniken für Orthopädie und Unfallchirurgie am Campus LKH im Jahr 2016 trieb der neue Vorstand der Uniklinik für Orthopädie und Traumatologie, Professor Thomas Freude, die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Geriatern weiter voran.

Als erstes Universitätsklinikum ließ sich das Uniklinikum Salzburg in weiterer Folge als AltersTraumaZentrum (ATZ) nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zertifizieren. Gemeinsam mit dem Oberarzt für Orthopädie und Traumatologie Dr. Wilfried Payer leitet Dr. Alzner das Salzburger ATZ. „Ich bin mittlerweile fix am Campus LKH und werde auch vertreten, wenn ich Urlaub habe.“

Welche Zielgruppe hat das ATZ? „Mittlerweile benötigen fast 40 Prozent aller über 75-jährigen Unfallpatientinnen und -patienten auch eine geriatrische Behandlung und Betreuung“, erklärt Dr. Alzner. Alleine im Bundesland Salzburg gehe es hier um 1800 Personen im Jahr – siehe weitere Facts. Diese leiden nicht nur an akuten Verletzungen meist nach Stürzen, sondern auch an altersbedingten Nebenerkrankungen an Herz und Nieren, Demenz oder Osteoporose.

Für das AltersTraumaZentrum haben die beteiligten Unikliniken ein neues Aufnahme-Assessment für Patientinnen und Patienten eingeführt. Dieses sieht ab einem Alter von 75 Jahren auch ein Screening im Hinblick auf geriatrische Syndrome vor. „Wichtig ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Berufsgruppen“, betont Dr. Alzner: Jede Woche gibt es auf allen beteiligten Stationen Team-Meetings, in denen Medizin, Pflege, Physiotherapie und Entlassungsmanagement/Sozialdienst vertreten sind. Zudem stimmen wir uns eng mit Spezialistinnen und Spezialisten aus der Pflege (Advanced Nursing Practice – ANP) für Delir und Demenz ab.“

Über die Paracelsus Medizinische Privatuniversität und deren Standort in Nürnberg ist das Salzburg ATZ mit dem Alterszentrum am Klinikum Nürnberg eng vernetzt, wo mit Professor Markus Gosch ein international angesehener Geriater wirkt. Auch die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten soll verbessert werden. Sobald es die Corona-Pandemie zulässt, soll es etwa über das AltersTraumaZentrum spezielle Fortbildungen geben. „Der Bedarf ist groß“, weiß der erfahrene Geriater.

Die Familie weckte in Dr. Alzner einst die soziale Ader und das Interesse für die Medizin. Auch heute spielt die Familie für ihn die zentrale Rolle in seinem Leben. Gemeinsam mit seiner Gattin, die ebenfalls im Gesundheitswesen tätig ist, und seinen drei Kindern verbringt er den Großteil seiner Freizeit und unternimmt in normalen Zeiten gerne verschiedene Reisen, die die Familie schon viel herumkommen ließ.

Neben Familie und Medizin ist Basketball die große Leidenschaft von Dr. Alzner: Früher selbst als Aufbauspieler beim USV Elixhausen aktiv, verfolgt er seit einer Verletzung leidenschaftlich die amerikanische Profi-Liga. „Ich teile mir mit meinem besten Freund ein Abo bei NBA-TV.“

Weitere Facts

  • Sein Studium absolvierte Dr. Reinhard Alzner in Innsbruck, seine Facharztausbildung am Uniklinikum Salzburg.
  • Das AltersTraumaZentrum am Uniklinikum Salzburg ist eine interdisziplinäre Einrichtung der Unikliniken für Orthopädie und Traumatologie am Campus LKH sowie für Geriatrie am Campus CDK.
  • Das ATZ Uniklinikum Salzburg, so der offizielle Name, ist die erste derartige Einrichtung an einem Universitätsklinikum in Österreich. Das Zertifikat trägt das Datum vom 10. November 2021.
  • Die meisten älteren Patientinnen und Patienten müssen an der Uniklinik für Orthopädie und Traumatologie nach Stürzen aufgenommen werden. Dabei stehen Verletzung im Bereich des Beckens, der Hüfte, der Wirbelsäule und der oberen Extremitäten im Vordergrund.
  • Die große Herausforderung sind aber die altersbedingten Nebenerkrankungen, die noch vor, während und nach einer Operation mit hoher Expertise mitbehandelt werden müssen.
  • Im Hinblick auf die Versorgung aller Unfallpatientinnen und -patienten ist das Uniklinikum Salzburg bereits seit 2010 als überregionales Traumazentrum nach den DGU-Kriterien zertifiziert.
  • Gleichzeitig ist das Uniklinikum Salzburg auch zentrale Krankenanstalt des Traumanetzwerks Salzburg, in dem Spitäler aus Salzburg, dem angrenzenden Oberösterreich, der angrenzenden Steiermark und zukünftig auch aus Tirol bei der Versorgung von schwer- und schwerstverletzten Personen kooperieren.
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