„Während eines ‚Aspirantenjahres‘ nach dem Studium erlebte ich in Brisbane, Australien, wie Medizin und Pharmazie am Krankenbett Hand in Hand arbeiten“, erzählt Christina Dückelmann. „Der Mediziner stellt die Diagnose, hinsichtlich Therapie berät der Pharmazeut und es wird gemeinsam diskutiert. “ Die gebürtige Salzburgerin stammt aus einer Ärztefamilie und studierte in München Pharmazie. An der University of Strathclyde, Schottland, fügte sie einen Master in klinischer Pharmazie hinzu und spezialisierte sich im Western General Hospital in Edinburgh auf kardiologische Fragestellungen.
Was in den angelsächsischen Ländern schon lange Teil des klinischen Alltages ist, erfährt auch an den Landeskliniken Salzburg eine besondere Förderung durch die Geschäftsführung: die klinische Pharmazie als Teil des Behandlungsalltages, als dritte Säule neben Medizin und Pflege. Man ist damit bei den Vorreitern in Österreich. „Früher war der Arzneimittelkodex so groß“ – Christina Dückelmann deutet mit einer Handbewegung das Ausmaß an – „und ist heute ein Vielfaches davon.“

Krönung der Bemühungen ist nun seit 2017 die Pharmazeutische Aufnahme mit zwei von den Salzburger Landeskliniken  finanzierten Stellen im Rahmen der Narkoseambulanz. Insgesamt 9 klinische Pharmazeutinnen und Pharmazeuten begutachten jährlich rund 5.700 elektive Patientinnen und Patienten vor einem chirurgischen Eingriff im Hinblick auf ihre Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzlichen Arzneimittel. „In 9 Prozent der Fälle haben wir arzneimittelbezogene Probleme wie Wechselwirkungen entdeckt, bei 6 Prozent wurde ein klinisch-pharmazeutisches Konsil geschrieben. So sind beispielsweise blutverdünnende Mittel relevant oder die Wechselwirkung von Herzmedikamenten und Psychopharmaka“, erklärt Christina Dückelmann.

Seit 2002 verstärkt Christina Dückelmann das Team der Abteilung für Klinische Pharmazie und Arzneimittelinformation der Landesapotheke. „Ich habe mich immer sehr um die klinische Pharmazie bemüht. So konnte ich – damals noch unter Primar Maximilian Pichler – in der Herzinsuffizienzambulanz mitarbeiten. In Kleingruppen schulte ich Patientinnen und Patienten, die lernen mussten, bis zu fünf neue Medikamente regelmäßig einzunehmen. Wegen der Pandemie ist dieses Service leider vorübergehend ausgesetzt worden“, schildert Christina Dückelmann.
Im Zuge dieser Arbeit erforschte sie prognostische Faktoren bei Herzinsuffizienz und erlangte damit an der Meduni Wien den Doktor der medizinischen Wissenschaften. Sie schätzt den direkten Patientenkontakt an ihrer Arbeit: „Wir haben sehr viele Projekte und Studien gemacht. Wer hat unerwünschte Arzneimittelwirkungen, wer wird deswegen ins Krankenhaus aufgenommen? Auch bei uns waren es rund 18 Prozent der alten Menschen, bei welchen arzneimittelrelevante Probleme detektiert wurden. Bei der Gabe eines Arzneimittels spielen viele Faktoren wie Alter, Konstitution, Gesundheitszustand und Geschlecht eine Rolle. Bei sehr zarten, alten Personen kann etwa die verordnete Menge eines Medikamentes in der Wirkung zu stark sein.“ All diese Erkenntnisse werden im klinischen Alltag berücksichtigt. So gibt es monatlich regelmäßige Visiten mit klinischen Pharmazeutinnen oder Pharmazeuten auf den Stationen der Geriatrie.

Seit 2018 ist Christina Dückelmann auch als Expertin und Koordinatorin für Klinische Pharmazie und angewandte Pharmakologie an der PMU tätig. Nach fünf Jahren steht der erste Jahrgang des Pharmaziestudiums mit 30 Studierenden diesen Sommer vor dem Abschluss. Die große Nähe zum klinischen Alltag und die intensive persönliche Betreuung zeichnen dieses junge Studium an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität aus. „Nun möchten wir die Interprofessionalität von Medizin, Pharmazie und Pflege auch in die Lehre der PMU einbauen. 2023 ist die Eröffnung einer interprofessionellen Ausbildungsstation geplant“, so Christina Dückelmann.

Dass eine Vorfahrin, Dr.med. Anna Fischer-Dückelmann, um 1900 ein im ganzen deutschen Sprachraum erfolgreiches Buch mit dem Titel „Die Frau als Hausärztin“ verfasst hatte, trug zu ihrem Interesse an der traditionellen Kräuterkunde und der ganzheitlichen Sichtweise von Mensch und Gesundheit bei. Komplementärmedizin und Traditionelle Europäische Heilkunde runden ihr umfassendes Wissen ab, zwischen 2014 und 2021 betrieb sie neben ihrer klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit eine Naturapotheke namens „Botanicus“ am Salzburger Kajetanerplatz, musste dies jedoch aus Zeitmangel wieder aufgeben. „Mit Esoterik habe ich aber nichts am Hut. Es ist einfach wichtig, auf Wohlbefinden und Gesundheit früh genug zu achten“, betont sie lächelnd.

Weitere Facts

  • Geboren und aufgewachsen in Salzburg
  • 1990 Matura am Akademischen Gymnasium
  • Pharmaziestudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München 1990-1996
  • 1996 Praktisches Jahr Mater Misericordiae Public Hospitals in Brisbane, Australien
  • 1997/1998 University of Strathclyde, Schottland, Master in klinischer Pharmazie
  • 1998 Klinische Pharmazeutin Western General Hospital, Edinburgh
  • 1998-2000 Klinische Pharmazeutin Allg. Krankenhaus Hamburg, Harburg
  • Seit 2002 Landesapotheke Salzburg, Abteilung für Klinische Pharmazie und Arzneimittelinformation
  • 2008 Dissertation an der Meduni Wien (Dr. scient. med.)
  • 2013 Ausbildung Traditionelle Europäische Heilkunde
  • Seit 2013 Klinische Risikomanagerin für die Apotheke
  • 2014-2021 Naturapotheke Botanicus am Kajetanerplatz (Salzburg)
  • Seit 2017 Mitarbeit in der Pharmazeutischen Aufnahme der SALK
  • Seit 2018 Expertin und Koordinatorin für klinische Pharmazie und angewandte Pharmakologie am Institut für Pharmazie der PMU
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