Endokrine Chirurgie

KREBSERKRANKUNGEN

Die Schilddrüse
Die Schilddrüse ist ein Hormon produzierendes Organ von großer Bedeutung. Die Schilddrüsenhormone beeinflussen den Stoffwechsel- und Funktionszustand fast aller Organe. Bildet die Schilddrüse zu viel oder zu wenig Hormone, dann wird unser Körper schwer in Mitleidenschaft gezogen. Bei den Schilddrüsenerkrankungen unterscheiden wir zwischen der Störung des Organs, wie z.B. einer diffusen Vergrößerung oder Knotenbildung, oder einer Störung der Funktionslage mit vermehrter oder verminderter Bildung von Schilddrüsenhormonen.

Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom)
Als Schilddrüsenkrebs wird ein bösartiger, von den Zellen der Schilddrüsen ausgehender, Tumor bezeichnet. Jährlich erkranken im deutschsprachigen Raum ca. 8 von 100.000 Menschen an Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom). Das entspricht etwa 1 % aller Krebserkrankungen. Frauen erkranken 2-3 mal häufiger als  Männer. Ein Schilddrüsenkarzinom kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten entsteht es allerdings zwischen dem 30. Und dem 60. Lebensjahr. Aufgrund von Vorsorgeuntersuchungen und ausgezeichneten Therapiemöglichkeiten kann diese Form von Krebs gut behandelt werden sofern die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird. Häufig tritt auch eine langfristige Heilung nach einer Therapie ein.

Genaue Ursachen für das Auftreten eines Schilddrüsenkarzinoms sind nicht bekannt. Ein Zusammenhang mit Röntgen- und radioaktiver Strahlung wird aufgrund des massiven Anstiegs an Schilddrüsenkrebs in Österreich nach der Tschernobyl-Katastrophe vermutet.

Welche Formen von Schilddrüsenkrebs gibt es?
Die Unterscheidung der verschiedenen Formen von Schilddrüsenkrebs aufgrund der feingeweblichen (histologischen) Merkmale ist für die Wahl der geeigneten Terapie und für den weiteren Verlauf sehr bedeutend. Zu 90 % der Fälle handelt es sich um differenzierte Karzinome was bedeutet, dass die Tumorzellen in ihrer Struktur dem normalen Schilddrüsengewebe weitgehend ähneln.

Grundsätzlich wird Schilddrüsenkrebs in drei Arten unterteilt:

  1. Differenzierte Schilddrüsenkarzinome
  2. Anaplastische (entdifferenzierte) Schilddrüsenkarzinome
  3. Medulläre Schilddrüsenkarzinome

Die häufigste Form von Schilddrüsenkrebs sind die differenzierten Schilddrüsenkarzinome mit den Unterarten papillär und follikulär. Diese Formen sind die am besten Behandelbaren. Mit der geeigneten Therapie werden langfristige Heilungsraten von bis zu 80 % erreicht. Beim follikulären Karzinom handelt es sich häufig um einen einzelnen Knoten, der in der Schilddrüse sitzt. Follikuläre Karzinome treten vor allem um das 50. Lebensjahr auf und metastasieren zuerst auf dem Blutweg und bilden danach bevorzugt in Lunge und Knochen Tochtergeschwülste (Metastasen).

Ein papilläres Karzinom metastasiert zunächst in die Lymphknoten. Bei dieser Krebsform finden sich häufig mehrere Tumorherde in einem oder beiden Schilddrüsenlappen. Die Betroffenen sind meist zwischen 30 und 50 Jahre alt. Anaplastische oder auch entdifferenzierte Karzinome treten überwiegend im höheren Alter auf. Die Krebszellen ähneln bei dieser Form den Zellen der gesunden Schilddrüse kaum noch. Diese Tumorart ist äußerst bösartig, wächst invasiv in das umliegende Gewebe ein und hat meist zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Fernmetastasen gebildet (meist in Leber, Lunge, Knochen und Gehirn). Die anaplastischen Karzinome sind mit einer Häufigkeit von ca. 5 % sehr selten. Selbiges gilt für die medullären Karzinome. Diese Form geht von den Calcitonin produzierenden C-Zellen aus, die über die gesamte Schilddrüse verteilt sind. Calcitonin ist ein Hormon, das den Kalzium- und Phosphathaushalt steuert. Medulläre Schilddrüsenkarzinome metastasieren meist bereits frühzeitig in die Lymphknoten und bilden über den Blutweg auch Metastasen in anderen Organen, vor allem der Leber, Knochen und Lunge.

Symptome
Die Symptome von Schilddrüsenkrebs sind gerade zu Beginn der Erkrankung unspezifisch. Erst mit zunehmender Größe macht sich der Tumor in Form von Knotenbildung bemerkbar. Die Schilddrüse kann dabei entweder vergrößert sein (Kropf oder Struma) oder normalgroß bleiben. Zu den weiteren möglichen Beschwerden gehören unter anderem ein Druckgefühl im Halsbereich, Schluckbeschwerden, Hustenreiz, Luftnot oder Heiserkeit (als Ausdruck einer Stimmbandnervenlähmung). Zu beachten ist, dass all diese Beschwerden auch ganz andere, harmlosere Ursachen haben können. Wenn die genannten Symptome auftreten, sollte unbedingt ein Spezialist aufgesucht werden, um ein Schilddrüsenkarzinom sicher ausschließen zu können.
Symtome

Diagnose
Eine intensive klinische Untersuchung, in der die Halsregion des Patienten auf Knoten und Lymphknotenschwellungen abgetastet wird, ist in der Diagnostik des Schilddrüsenkrebses von großer Wichtigkeit. Die Problematik in der Diagnostik besteht in der Unterscheidung eines Karzinoms von gutartigen Veränderungen. Durch eine Ultraschalluntersuchung des Halses (Sonographie), verschiedene Bluttests, die Durchführung einer Schilddrüsen-Szintigraphie oder einer Biopsie kann abgeklärt werden, ob es sich um einen Tumor (Schilddrüsenkarzinom) oder um einen gutartigen Knoten handelt. Eine Feinnadelpunktion mit histologischer Untersuchung des Punktats kann im Rahmen der Sonographie bei Bedarf durchgeführt werden. Bei einer geplanten Operation  im Zentrum für Schilddrüsenerkrankungen an der Universitätsklinik für Chirurgie in Salzburg ist präoperativ eine Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung) notwendig.

Therapie
Die Behandlung eines Schilddrüsenkarzinoms hängt maßgeblich von der Art des Tumors und dessen Ausbreitung ab. Die Planung der Therapie und Nachsorge sind in diesem Fall besonders wichtig. Im Mittelpunkt jeder Behandlungsmaßnahme steht die operative Entfernung der gesamten Schilddrüse (Thyreoidektomie), wenn notwendig unter Mitnahme der Halslymphknoten (Neck-Dissektion). Wenn der Tumor noch klein ist muss nur der betroffene Schilddrüsenlappen entfernt werden, was äußerst selten der Fall ist. Sollte sich der Tumor bereits in die benachbarten Strukturen wie Speiseröhre oder Luftröhre ausgebreitet haben, müssen auch diese Strukturen weitest möglich entfernt werden. Meist ist eine Lymphknotendissektion, also eine Entfernung der Lymphknoten, die die Schilddrüse umgeben, notwendig, um komplette Tumorfreiheit gewährleisten zu können. Nach der Operation ist in weiterer Folge je nach Art des Tumors eine Radiojodtherapie, selten auch eine Chemotherapie oder postoperative Strahlentherapie notwendig. Mit Hilfe dieser Therapie können eventuell verbliebene Tumorzellen zerstört und ein Rezidiv vermieden werden. Im Rahmen dieser Radiojodtherapie (Ablation) kann es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) kommen. Hierbei produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone und setzt den Stoffwechsel herab.
Eine Schilddrüsenoperation zählt zu den sehr häufig durchgeführten, standardisierten Operationen mit geringem Komplikationsrisiko. Je 1 % der Komplikationen stellen Heiserkeit, Wundinfektion und Nachblutungen dar, der Kalziummangel in ca.  4%. Postoperativ muss sich der Patient einer lebenslangen Hormontherapie unterziehen, in der dem Körper die fehlenden Schilddrüsenhormone zugeführt werden.

Vorbeugung
Chronischer Jodmangel in der täglichen Nahrung und dem Trinkwasser kann zu Schilddrüsenerkrankungen führen, weshalb eine ausreichende Versorgung mit Jod für die Funktion der Schilddrüse unerlässlich ist. Eine Zugabe von Jod in Nahrung oder Trinkwasser kann die Knotenentstehung vorbeugen, beispielsweise durch das Würzen von Speisen mit jodiertem Salz oder regelmäßigem Essen von Fisch. Meeresfische sind in Europa die Nahrungsmittel mit dem höchsten Jodgehalt. Nach Absprache mit einem Spezialisten ist auch die zusätzliche Einnahme von Jodtabletten empfehlenswert. Eine ausreichende Jodversorgung von 150 bis 200 Mikrogramm pro Tag ist zu empfehlen. Sollten Sie einen Knoten mit anhaltenden Schluckbeschwerden oder Atemnot und Heiserkeit verspüren, sollte umgehend ein Spezialist aufgesucht werden. Je früher die Diagnose für die Beschwerden erfolgt desto eher kann der Schilddrüsenkrebs therapiert werden. Bei Früherkennung kann eventuell sogar eine Operation vermieden werden.

Die Nebenniere
Jeder Mensch besitzt 2 Nebennieren, die am Oberrand der Niere sitzen. Das 2x3x4cm große Organ besteht aus der Rinde, wo die Hormone Aldosteron, Cortisol und DHEA (Vorläuferhormom von Testosteron) produziert werden, sowie aus dem Mark wo die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin erzeugt werden.

Die Symptome einer Nebennierenfunktionsstörung sind aufgrund der Hormone und deren Wirkung im gesamten Körper vielfältig:
•    Bluthochdruck
•    Schwindel
•    Erhöhter Blutzucker
•    Infektneigung
•    Osteoporose
•    Müdigkeit
•    Vermehrter Haarwuchs (Hirsutismus)
•    Hauttrockenheit

Sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion kann zu bedrohlichen Krankheitsbildern führen. Sollte eine hormonelle Überfunktion medikamentös nicht beherrschbar sein, ist eine Nebennierenentfernung nötig. Weitere Gründe für eine Operation sind der Verdacht auf eine bösartige Veränderung eines Gewächses oder aber die Entfernung einer einzelnen Nebennierenmetastase. Nebennierengewächse über 4cm sollten auf jeden Fall entfernt werden. 

Operationstechniken:
Eine Nebennnierenentfernung (Adrenalektomie) kann durch 3 verschiedene Zugangswege erfolgen, welche alle an unserer Abteilung angeboten werden:
1.    Offene Adrenalektomie: Zugang über einen offenen Bauchschnitt
2.    Laparoskopische Adrenalektomie: minimalinvasive Entfernung durch die Bauchhöhle. 
3.    Retroperitoneoskopische Adrenalektomie: minimalinvasiver Eingriff ohne die Bauchhöhle zu eröffnen. Der Zugang erfolgt vom Rücken zwischen Rippenbogen und Beckenschaufel. 

Häufig fallen Nebennierenvergrößerungen als Zufallsbefund im CT auf. Die Abklärung dieser sog. “Inzidentalome” erfolgt an unserer Abteilung in enger Zusammenarbeit mit der Univ. Klinik für Endokrinologie. 


 

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