„An der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten haben wir in den vergangenen Jahren vieles in die Wege geleitet. So auch das Projekt mit der Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS) zur Erforschung von Hörproblemen, die möglicherweise im Verlauf der Hörbahn oder bei zentralen Verarbeitungsprozessen im Gehirn ihre Ursache haben“, erzählt Sebastian Rösch. Mithilfe des Magnetenzephalographen in der CDK, der von Professor Nathan Weisz und seinem Team geleitet wird, können Potentiale im Gehirn gemessen werden, die Aufschlüsse zu audiologischen Fragestellungen geben. „Die Zusammenarbeit funktioniert so, dass wir im Rahmen der seit 2018 bestehenden Kooperation mit Nathan Weisz und seinem Team Patientinnen und Patienten gemeinsam zu verschiedenen Fragestellungen untersuchen. Da wir feststellten, dass viele Menschen mit Hörstörungen nicht zum Arzt gehen, sondern diese bis zu einem gewissen Maß tolerieren, haben wir ein weiteres eigenständiges Projekt – Salzburg hört – gestartet.“ 

2021 wurde mit der Untersuchung des Hörvermögens der Salzburger Bevölkerung begonnen. Mithilfe eines Online-Fragebogens fragten Dissertanten der PLUS Hörstörungen ab. Erste Ergebnisse von rund 2000 Probanden ergaben, dass knapp 17 Prozent der Befragten (Durchschnittsalter 51 Jahre) schlecht hörten und 22 Prozent über Tinnitus klagten, was dem weltweiten Trend im oberen Bereich entspricht. Bei der klassischen Altersschwerhörigkeit nimmt die Funktion der Hörsinneszellen ab, zunächst oft noch unbemerkt. Hörverlust sollte behandelt werden, sonst besteht ein höheres Risiko, später an kognitiven Einschränkungen zu leiden.

„Man kann viel mit audiologischen Untersuchungen abklären. Eine nicht unerhebliche Menge an Patienten hat jedoch das Gefühl, nicht gut zu hören, ohne dass dies mit etablierten Methoden diagnostiziert werden kann“, schildert Sebastian Rösch Erfahrungen aus seiner Praxis. Sind weder äußeres Ohr, noch das Mittelohr oder die Hörschnecke (Cochlea) die Ursache, sondern die Signalweiterleitung oder das Hörzentrum selbst, ist die Behandlung besonders herausfordernd, weil diesbezüglich noch zu wenige Erkenntnisse vorliegen.

Das Magnetenzephalograph (MEG) Labor des Centre for cognitive Neuroscience (CCNS) der Universität Salzburg ist das einzige MEG Labor Österreichs und befindet sich im Rahmen einer Kooperation zwischen PLUS und PMU auf dem Campus der Christian-Doppler-Klinik. Neben klinischen MEG Erhebungen im Bereich der Epilepsie- und Tumorforschung (Leitung Professor Eugen Trinka) ist die Zusammenarbeit zwischen dem CCNS und der HNO-Klinik eine weitere wesentliche Säule dieser Kooperation, im Rahmen derer bereits mehrere Projekte umgesetzt werden konnten.

Der MEG kann zentrale Verarbeitungsprozesse im Gehirn mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung messen und aufzeichnen und liefert damit im gesamten wissenschaftlichen Kontext von Hörstörungen neue Erkenntnisse. „Laienhaft ausgedrückt wird hier festgestellt, ob an verschiedenen Orten im Gehirn vermehrte oder verminderte Aktivität gemessen werden kann“, erklärt Rösch. So hofft man, etwa den Entstehungsort von Tinnitus, der immer noch unbekannt ist, identifizieren zu können. Bei diesen meist subjektiven Hörgeräuschen muss eine symptomatische Therapie einen therapeutischen Ansatz noch ersetzen, Symptomkompensation ist das Stichwort. „Doch wir hoffen der Ursache auf die Spur zu kommen“, so Sebastian Rösch. Das Messen von Hirnpotentialen im MEG-Labor konnte unter anderem bereits Erkenntnisse über den Einfluss visueller Information auf Hörbahnen und -bereiche bringen, was etwa für das Lippenlesen von Bedeutung ist.

Sebastian Rösch war einer der ersten PMU-Absolventen. Er studierte im 2.Jahrgang von 2004 bis 2009 an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität und begann 2009 als Assistenzarzt an der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten. Das große Interesse an der HNO, einem vielseitigen chirurgischen Fach, hatte sich dank sehr positiver Eindrücke im Laufe seines Studiums herausgebildet. „Darauf achten wir sehr, auch Klinikvorstand Professor Rasp ist es ein besonderes Anliegen, dass Studierenden im Zuge ihrer Ausbildung möglichst viel Spannendes vermittelt und die Begeisterung für das Fach geweckt wird,“ betont Rösch.
Neben Patientenversorgung und Forschung gehört die Lehre an der PMU und an der Klinik zu seinen Aufgaben, im Rahmen derer Studentengruppen u.a. an Visiten teilnehmen oder im Rahmen des Curriculums in Untersuchungstechniken unterrichtet werden. Auch gibt es Zusatzangebote, um mikrochirurgische Techniken kennenzulernen und an Modellen üben zu können. Im klinischen Alltag werden praktisch alle Ohr- und sehr viele Tumoroperationen unter dem Mikroskop durchgeführt.
Mittlerweile ist Sebastian Rösch Leitender Oberarzt für Lehre und Forschung und arbeitet an seiner Habilitation.

Das größte Plus des Uniklinikums Salzburg sieht Sebastian Rösch in der hervorragenden wissenschaftlichen Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. So bestehen enge Kontakte zur Pharmakologie an der PMU, dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, zu den Universitätskliniken für Radiologie und Nuklearmedizin, für Innere Medizin III/Onkologie, für Dermatologie und für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Vieles kann unmittelbar akkordiert werden, die persönliche Ebene ist am Campus praktisch immer gegeben, und das sei für eine erfolgreiche Projektentwicklung sehr förderlich. In seiner Funktion plädiert Rösch für eine strukturierte Verankerung akademischer Tätigkeiten am Uniklinikum, mit einer aktiven Vermittlung möglicher Konzepte seitens des Arbeitgebers, welche Fortbildung und Forschung integrieren und somit motivierte Mitarbeiterinnen unterstützt. Denn Möglichkeiten böte das Uniklinikum für Studenten und Ausbildungsärzte theoretisch genug, von Forschungssemestern und Praktika an renommierten Partneruniversitäten über Sabbatical bis zu Fortbildungsurlaub. Nach seinem Geschmack könnte die akademische Arbeit den Klinikalltag noch stärker prägen.

Entspannung und Erholung findet Sebastian Rösch beim Berggehen, Skifahren und Radfahren und mit Musik. Salzburg und das Umland mit hoher Lebensqualität bieten hier alle Möglichkeiten.

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