„10 bis 20 Prozent aller Leistenbrüche können bereits tagesklinisch versorgt werden, der Patient geht am selben Tag heim, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind“, erläutert Franz Mayer. So ist nach einer Vollnarkose etwa die Abholung durch eine erwachsene Person vorgeschrieben. „90 Prozent der stationären leistenoperierten Patienten oder Patientinnen werden mittlerweile bereits am Tag nach der Operation entlassen. Insgesamt konnten wir den stationären Aufenthalt von früher normalerweise vier Tagen auf deutlich unter zwei Tage reduzieren.“

Seit 2019 werden alle Arten von Brüchen, Leisten- und Narbenbrüche in erster Linie, vom Chirurgie-Team der Landesklinik Hallein unter Leitung von Silvia Reich-Weinberger versorgt. Die Patienten kommen dort oder in Salzburg in die chirurgische Ambulanz und werden dann für den Eingriff in die Tagesklinik oder die Station in Hallein überwiesen. Eine Ausnahme sind Zwerchfellbrüche, die ausschließlich in Salzburg behandelt werden. Die präoperative Ab- und Aufklärung der Patienten sowie die Vorstellung in der Anästhesieambulanz finden meist in Hallein statt. Die Chirurgie Hallein ist eine Dependance der Universitätsklinik für Chirurgie unter der Leitung von Professor Klaus Emmanuel. Die Standortleitung hat Oberärztin Silvia Reich-Weinberger inne, Franz Mayer ist ihr Stellvertreter.

Seit 2014 bekleidet er die Position eines leitenden Oberarztes, damals noch an der UK für Chirurgie in Salzburg, wo er den Schwerpunkt Hernienchirurgie aufgebaut hat. Neben seinem ersten Mentor Oskar Boeckl wurde er sehr stark vom damaligen Klinikvorstand Dietmar Öfner-Velano gefördert, der in ihm auch die Lust zu forschen neu entfachte. 2016 erfolgte die Habilitation. Und 2017 begann mit der Inbetriebnahme des ersten daVinci-Roboters im Uniklinikum auch in der Hernienchirurgie das Roboterzeitalter unter Professor Klaus Emmanuel.

Zur großen Expertise der Arbeitsgruppe Hernienchirurgie der UK für Chirurgie Salzburg gemeinsam mit Privatdozent Michael Lechner kommt nun auch in Hallein die Möglichkeit, mit dem 2022 neu angeschafften daVinci-Roboter zu operieren. Er wird dort in erster Linie für die Hernien- und Gallenblasenchirurgie eingesetzt. Dass eine kleine Landesklinik wie Hallein solche technischen Möglichkeiten bekommt, ist einmalig. Überhaupt sind die Salzburger Landeskliniken mit mittlerweile drei täglich eingesetzten daVinci- und einem Symani-Roboter in Österreich an vorderster Front. Zusätzlich handelt es sich hier um einen daVinci mit zwei Steuerkonsolen, an dem auch ausgebildet wird. „Mit Tastendruck kann der ausbildende Arzt Markierungen für die Schnittführung am Bildschirm setzen oder direkt die Kontrolle vom Assistenten oder der Assistentin übernehmen. Hallein ist derzeit in Österreich die einzige Klinik, an der Ausbildungsärztinnen und -ärzte am Roboter mitoperieren dürfen“, so Dozent Mayer.

„Der Roboterchirurgie gehört die Zukunft“, ist er überzeugt. „In Amerika ist man hier schon viel weiter. Trotz der auch dort hohen Anschaffungskosten wird oft in extremen Frequenzen mit der Roboterchirurgie gearbeitet. Es gibt in den USA große Krankenhäuser, an denen zehn und mehr OP-Roboter stehen und fast alle chirurgischen Eingriffe robotisch durchgeführt werden. Wie bei anderen minimal-invasiven OP-Methoden sind auch hier die Schnitte vergleichsweise winzig, die Narben heilen schneller, der Blutverlust ist gering und der Patient erholt sich viel schneller. Zusätzlich aber punktet der Roboter mit deutlich höherer Präzision, einer nahezu perfekten 3-D-Darstellung und optischen Vergrößerung des OP-Gebietes, einem „Herausfiltern“ von Zitterartefakten – ja, jeder Mensch zittert – und Bewegungsfreiheiten der Instrumente ähnlich der einer menschlichen Hand.“

Mit zur strukturierten Ausbildung junger Chirurginnen und Chirurgen, die Franz Mayer sehr am Herzen liegt, gehören fachspezifische Fortbildungen und Kongresse. So findet seit zehn Jahren alle zwei Jahre ein Kurs für Hernienchirurgie gemeinsam mit dem Institut für Anatomie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität statt (Hernie Kompakt). Und Österreichs größter hernienchirurgischer Fachkongress wird jährlich mit viel Aufwand in Salzburg ausgerichtet, heuer erstmals wieder nach der Coronapause.

In den meisten Fällen werden heute Kunststoffimplantate aus Polypropylen oder PVDF verwendet, um Narben- oder Leistenhernien zu stabilisieren. Ihre Zusammensetzung und Struktur werden laufend optimiert, grobe Poren des Implantats begünstigen das Einwachsen von Bindegewebe (Integration) und erhöhen gleichzeitig die Elastizität etwa der Bauchdecke. Sie wachsen so gut ein, dass ein Patient nachher auch wieder Sit-ups machen kann. Dass der menschliche Körper diese Materialien gut verträgt und keinerlei Abstoßungsreaktionen entwickelt, weiß man nicht zuletzt dank einer fast lückenlosen Qualitätskontrolle, die mit sehr viel Aufwand auch auf Sekretariatsebene an der UK für Chirurgie Salzburg und in Hallein betrieben wird. Als zweite Klinik in Österreich hatte sich die Chirurgie Salzburg am weltweit größten Qualitätssicherungsregister, dem Herniamed®-Register beteiligt, wo man sich mit teilnehmenden Kliniken und chirurgischen Facharztpraxen vor allem in Deutschland vergleichen kann. „Die Qualität wird mit einer Art Ampelsystem gemessen. Überflüssig zu sagen, dass wir in allen Bereichen auf Grün sind“, merkt Franz Mayer zufrieden an. Er ist seit Beginn dieses Registers auch Mitglied des wissenschaftlichen Beirates. So wird jeder Patient zehn Jahre lang nachverfolgt, der dem zugestimmt hat, immer wieder angeschrieben und gegebenenfalls auch nachuntersucht. Allein in Salzburg sind bereits 6 200 Personen erfasst. Der weltweit vernetzte Datenbestand des Herniamed®-Register umfasst mittlerweile mehr als eine Million Patientinnen und Patienten. Damit einher gehen eine große Anzahl von wissenschaftlichen Analysen dieser Daten und Publikationen in auch hochrangigen Journals wie den Annals of Surgery. Mayer allein hat an ca. 40 Publikationen in den letzten zehn Jahren mitgearbeitet.

Wer ein solches Arbeitspensum bewältigt, muss auch entspannen. Das tut Franz Mayer am liebsten auf Reisen mit seiner Frau in Europa und den USA. „Und ich bin seit fünf Jahren stolzer Besitzer eines Weinkellers. Über die Jahre sammeln sich Kostbarkeiten an und am Anblick der schönen Flaschen erfreue ich mich gerne. Ganz besonders in die erstklassigen österreichischen Weine sowie die Region Burgund in Frankreich haben wir uns verliebt“, schmunzelt er.

Weitere Facts

  • Geboren in der Stadt Salzburg
  • Medizinstudium in Innsbruck
  • 1992 Beginn der Turnusausbildung an den Salzburger Landeskliniken
  • 1995 Ausbildungsstelle bei Professor Oskar Boeckl
  • Seit 2014 leitender Oberarzt mit Schwerpunkt Hernienchirurgie
  • 2016 Habilitation zum Privatdozenten
  • Seit 2019 leitender Oberarzt an der Chirurgie Hallein
  • Verheiratet mit Claudia (AHS-Lehrerin), hat 3 Kinder (2 Söhne studieren Medizin, die Tochter arbeitet schon als Lehrerin), lebt in Salzburg
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