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    Ambulante Betreuung soll in Zukunft verstärkt werden. Neues Zentrum am Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin Salzburg (Salzburger Nachrichten) 23.03.2010

    Der Handlungsbedarf auf der Basis verfügbarer Daten ist erdrückend. Nur 20 bis 30 Prozent der Patienten, die einen Infarkt erlitten haben, die eine Herzoperation hinter sich haben, an Herzinsuffizienz leiden oder sonst Hochrisikopatienten sind, kommen in Österreich in ein Rehabilitationsprogramm. Meist sind es berufliche und private Gründe oder zu lange Wartezeiten, die gegen einen mehrwöchigen stationären Aufenthalt in einem der Rehabilitationszentren sprechen.

    Ambulante Betreuung gibt es hingegen kaum. Das Institut für rehabilitative und präventive Sportmedizin an der Universitätsklinik Salzburg will nun mit einem entsprechend breit gefächerten Angebot etwas gegen diese offensichtlichen Defizite unternehmen.

    Selbst bei jenen Patienten, die mit ihren Herzproblemen stationär nach der Entlassung aus dem Krankenhaus betreut werden, fehlt es an der notwendigen Nachhaltigkeit. Josef Niebauer, Leiter der Sportmedizin, verwies am Dienstag bei der Präsentation seines neuen ambulanten Betreuungszentrums für Herzpatienten auf alarmierende Studienergebnisse.

    Eine deutsche Untersuchung in 18 Rehabilitationszentren, die aufgrund der vergleichbaren Verhältnisse auch für Österreich aussagekräftig ist, zeigte: Nach anfangs eindrucksvoller Verringerung der Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren zwölf Monate nach einem Akutereignis (zum Beispiel Infarkt) die ursprünglich erzielten Fortschritte wieder großteils zunichtegemacht. Konkret: Der Anteil von Patienten mit Blutdruckwerten höher als 140/90 mmHg stieg von acht auf 25 Prozent, überhöhte Cholesterinwerte gab es wieder bei mehr als 50 Prozent der Betroffenen. Und auch die Blutzuckerwerte verschlechterten sich drastisch.

    Die anfangs durch eine dreiwöchige stationäre Rehabilitation erzielten Erfolge sind also nicht nachhaltig genug, die Patienten fallen zu schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Genau dort setzt jetzt Niebauers Konzept an: Wer nicht schnell genug in eine klassische Rehabilitation kommt, kann sich an der Salzburger Sportmedizin für die Dauer von sechs bis zwölf Wochen intensiv von einem Team aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftern und Sozialarbeitern betreuen lassen. „Das Trainingsprogramm beginnt bereits während des stationären Aufenthalts“, erklärte Niebauer.

    Nach der intensiven ambulanten oder stationären Rehabilitation sollen die Herzpatienten aber auch für weitere sechs bis zwölf Monate die Gelegenheit haben, mithilfe der Experten an der Rückkehr in den Alltag zu arbeiten. Niebauer: „Oberstes Ziel ist, das Leben der Patienten mithilfe von gezielter körperlicher Bewegung, mit einer Umstellung der Ernährung und besserem Stressmanagement nachhaltig gesünder und genussvoller zu gestalten.“ Anfangs sind die Patienten mehrmals pro Woche drei bis vier Stunden im Betreuungszentrum, zum Schluss vielleicht noch ein Mal. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen.

    Niebauers Arbeit mit Herzpatienten wird mit wissenschaftlichen Studien begleitet und soll grundlegende Argumentationshilfen für ambulante Betreuungsmodelle liefern. Die Salzburger Gesundheitslandesrätin Erika Scharer sagte, Salzburg nehme hier eine Vorreiterrolle ein. Und: „2013 wird der österreichische Rehabilitationsplan überarbeitet. Die ambulante Rehabilitation muss dringend aufgewertet werden.“
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