“Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.” Diesen Aphorismus des bayerischen Komikers Karl Valentin hat die 38-jährige Petra Wiendl zum Leitsatz ihres Daseins erkoren. Humorvolle Toleranz gegenüber Widrigkeiten ist für ihren Job auch höchst notwendig. Denn die stellvertretende leitende Pflegeperson an der Universitätsklinik für Innere Medizin II der PMU Sonderklasse, zu der sie vor drei Monaten berufen wurde, ist tagaus tagein mit der weitaus häufigsten Todesursache unserer Gesellschaft konfrontiert – den Herz- und Kreislauferkrankungen. Die gebürtige Neumarkterin versorgt im Rahmen eines 17-köpfigen Teams neben den Patienten in ihrer Abteilung mit 21 Betten zudem auch noch privat ihren Schwiegervater. Der hat vor 16 Jahren einen Schlaganfall erlitten. „Pflege ist für mich nicht Beruf, sondern Berufung: Hier gehört mein Herz hin“, streift Wiendl mit einem Wortspiel ihren Patientenkreis mit kardiologischen und pulmonalen Erkrankungen. Nachsatz: „Ob Sonderklasse oder nicht – Pflege muss immer von Herzen kommen und darf keinen Unterschied beim Sozialstatus des Patienten machen!“

Mit der schnelllebigen gesellschaftlichen Entwicklung gehen Faktoren einher, die sich oft auch schon bei jungen Menschen schädlich auf Herz und Kreislauf auswirken: Stress, Bewegungsmangel, Übergewicht und Ernährungsdefizite. Generell den höchsten Anteil an der Herzinsuffizienz-Risikogruppe haben Menschen mit hohen Cholesterinwerten, Bluthochdruck oder entsprechender familiärer Disposition – beispielsweise wenn der Vater bereits einen Herzinfarkt erlitten hat – sowie Raucher. Meist ist ein solcher mit beklemmenden Angstzuständen verbunden. Man spürt lange nichts, aber schon bei ersten Anzeichen wie einem Ziehen in der Magengegend oder in der Hand, das schmerzhaft über den Schultergürtel ausstrahlt, muss unbedingt sofort ein Mediziner aufgesucht werden. Je früher der Arzt intervenieren kann, desto effizienter ist in der Regel die dringend notwenige Intervention.
„Als ich vor 14 Jahren an der Station begonnen habe, ist man bei einer Herzuntersuchung noch mit dem Katheter über die Leistenarterie (Femoralis) vorgedrungen und hat dem Patienten danach zwölf Stunden Bettruhe verordnet. Heute ist das anders: Primaria Uta Hoppe schafft es zu 96 Prozent, über die Pulsader am Handgelenk (Radialis) in die Gefäße zu gelangen. Patienten können direkt nach der Prozedur aufstehen und bekommen somit wieder ihre Bewegungsfreiheit zurück“, erklärt Frau Wiendl.

Die minimalinvasiven Eingriffe haben in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Die Entlassfähigkeit ist durch diese Art des Prozederes weit früher gegeben, was dazu führt, dass sich die Verweildauer reduziert hat, und die Anzahl an zu versorgenden Patienten über die Jahre höher wurde. Dadurch hat sich die pflegerische Dienstleistung gewandelt: „Patienten werden nun von der Pflege in einer sehr hohen Geschwindigkeit und mit hoher Empathie und Prozessstabilität durch den klinischen Alltag begleitet“, stellt Petra Wiendl fest. Sie und ihre Kolleginnen auf der Station sind auch für eine adäquate interprofessionelle Vernetzung zwischen den Berufsgruppen der Ärzte, der Therapeuten und der administrativen Kräfte zuständig. Mit gezielter Beratung leistet die Pflege einen wichtigen Beitrag, damit Patienten aktiv am Behandlungsprozess teilnehmen und zudem das Selbstvertrauen entwickeln, die Krankheit selbstständig managen zu können. „Genau dieser Beitrag entlastet insgesamt das Gesundheitswesen“, betont Wiendl.

Die Pflege der II. Medizin Sonderklasse war eines der ersten Teams, welche ihre Pflegeprozessdokumentation auf ein elektronisches System umgestellt haben. Hiermit wird mittlerweile bereits sehr professionell gearbeitet, beispielsweise erfolgt durch die Gesundheits- und Krankenpflege eine tägliche Risikoeinschätzung der Patienten mittels valider Instrumente. Aus dieser Bewertung des Gesundheitszustandes leitet die Gesundheits- und Krankenpflege die entsprechenden Pflegeinterventionen ab, führt diese je nach Gefahrengeneigtheit und Komplexität entweder selbst durch oder delegiert einfache Tätigkeiten an die Pflegefachassistenz.

In einem weiteren Schritt wird nun auch die klassische Patientenmappe durch die elektronische Fieberkurve (ORME) ersetzt. Der komplette Patientenakt wird mit der gesamten Pflegeprozessdokumentation, allen ärztlichen Befunden, der Medikation etc. übersichtlich über den Computer verwaltet und kann bei Bedarf von jedem unserer Spitäler eingesehen werden.

Ein besonders hohes Maß an Einfühlungsvermögen sowohl gegenüber dem Patienten als auch dessen Angehörigen fordert die palliative Arbeit dem Pflegepersonal ab. „Aber bei aller Anteilnahme darf man die im Dienst aufgebauten Emotionen möglichst nicht mit nach Hause nehmen, sondern muss zum Selbstschutz abschalten lernen“, weiß Petra Wiendl.
„Natürlich überlegst du am Ende des Tages, was war gut, was kann ich in Zukunft anders machen. Mit dem selbst erteilten Feedback muss es aber dann genug sein. Mit meinem Partner spreche ich nie über dieses Thema, sondern setze mich in meinem großen Garten meistens auf mein Bankerl, trinke einen Kaffee oder ein Glaserl Wein und lasse den Menschen gehen …“

Weitere Facts

  • Petra Wiendl lebt mit ihrem Ehemann (Außendienst im Messebau) und ihren zwei Söhnen (7 und 11 Jahre alt) in Großgmain.
  • Familienleben ist mit der Arbeit in den Salzburger Landeskliniken sehr gut vereinbar. Ihr wurde ermöglicht, auch während der Karenzzeit im Uniklinikum Salzburg LKH tätig zu sein.
  • Nach dreijähriger Ausbildung in der HBLA für wirtschaftliche Berufe und freiwilligen ferialen Schnupperdiensten in einem Altenheim in Neumarkt entschloss sie sich mit 17, im Sozialbereich statt in der Gastronomie mit Menschen zu arbeiten: „Weil mir das liegt“.
  • Da ihr nach Besuch der Fachschule für Familien- und Pflegehilfe (damals „Caritas-Schule“) der Status als „Pflegeassistenz und Familienhelferin“ nicht reichte, absolvierte sie 2003–2006 die Krankenpflegeschule und schloss diese „mit gutem Erfolg“ ab.
  • Seit November 2006 ist sie auf der II. Medizin Sonderklasse tätig.
  • Ihre Zukunft sieht Petra Wiendl weiter im Uniklinikum Salzburg LKH, denn hier habe sie Aufstiegs- und Fortbildungsmöglichkeiten. Ein Studium schließt sie nicht aus.
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