Jean Bosco Tabana GNOMBELI vom Orden der Kamillianer feiert Gottesdienste, spendet Sakramente wie Taufe, Beichte oder Krankensalbung, begleitet Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen, führt Gespräche und nimmt manchmal Begräbnisse vor: „Ein Seelsorger ist wie ein Gärtner, der die Pflanzen gießt“, sagt er, „Wachsen und Blühen liegen in Gottes Hand. Er macht, was er kann, aber der Heiler ist Gott. Wichtig ist es, bei den Menschen die Hoffnung zu wecken und ihnen zu helfen, damit sie eine Antwort auf ihre vielen Fragen finden können.“

Als Seelsorger gehören Pfarrer Jean Bosco und Kaplan Pierre Sawadogo zum Team von Gerhard Hundsdorfer, dem Leiter der Seelsorge am Uniklinikum Salzburg – Campus LKH. Man ist für alle da, die dies möchten, ob evangelischen oder griechisch-orthodoxen Bekenntnisses, Angehörige des Islam oder andere. Im Krankenhausumfeld sind in erster Linie Gespräche wichtig, und derer bedürfen alle Menschen. Die traditionelle Weihnachtsfeier wird ökumenisch abgehalten, heuer fällt sie aus bekannten Gründen aus, die Christmette sowie Gottesdienste an den zwei Weihnachtsfeiertagen fanden wegen Kirchenrenovierung und Corona im kleinsten Rahmen in der Kapelle statt, unter Einhaltung der Coronavorgaben selbstverständlich.

Jean Bosco ist 1980 in Kara im Norden von Togo als Kind einer vielköpfigen Kaffeebauernfamilie geboren. Das französischsprachige Land in Westafrika war ursprünglich bis 1916 deutsche Kolonie und bis 1960 als Mandatsgebiet des Völkerbundes bzw. der Vereinten Nationen unter französischer Verwaltung. Die sechs Geschwister und neun Halbgeschwister mussten bei der Bearbeitung der Kaffeefelder mithelfen. Jean Bosco durfte, da er nicht Bauer, sondern Priester oder Arzt werden wollte, die Schule besuchen und maturieren. Teilweise auch unter Obhut von Großmutter oder Onkel, der Katechet war, musste er immer wieder Geld verdienen, um seine Ausbildung finanzieren zu können.
Bei diesem Onkel lernte er das Christ-und Priestersein kennen und es entstand der Wunsch, diesen besonderen Weg der Nachfolge Christi einzuschlagen, die Menschen – besonders die leidenden – in den Mittelpunkt seines Lebens zu stellen. Mit 22 Jahren trat er daher in den Orden der Kamillianer im Nachbarland Benin ein, wo er das Propädeutikum machte, Philosophie studierte und bis zum zeitlichen Gelübde 2007 in Burkina Faso als Novize lebte. Von dort aus kehrte er zum vierjährigen Theologiestudium nach Benin zurück. 2011 wurde er nach Ablegung der Ewigen Gelübde zum Priester geweiht. Sowohl in Benin als auch in Lomé, der Hauptstadt von Togo, tat er als Seelsorger in einem Krankenhaus Dienst und wurde schließlich als Missionar und Seelsorger nach Österreich entsandt, da die Kamillianer in Europa unter Nachwuchssorgen leiden.

Ihre Hauptaufgabe sehen die Kamillianer im Dienst am Nächsten, in der vornehmen und fordernden Aufgabe der seelsorglichen Betreuung der Kranken sowie der Ärzte und des Pflegepersonals. Seit 1946 ist Österreich eine selbständige Ordensprovinz mit dem Gründungskloster in Wien-Hietzing. Schon 1906 wurden Ordensbrüder zur Krankenseelsorge nach Lainz geholt, wo das damals größte Altersheim Europas stand. Das multikulturelle Wien gefiel Jean Bosco gut, binnen sechs Monaten lernte er Deutsch und war dann zwei Jahre Seelsorger am AKH-Wien, bis er als Priester und Krankenhausseelsorger in die Pfarre St. Johannes berufen wurde.

„Meine Aufgabe als Seelsorger ist es also, mich den Menschen zuzuwenden“, erzählt Jean Bosco, „ihnen aufmerksam zuzuhören, ihre Bedürfnisse zu entdecken und mich ganz auf sie einzulassen. Wie jeder Mensch, will besonders ein kranker Mensch gehört werden. Wichtig ist es, nicht viel zu reden, sondern wahrzunehmen. Ich versuche, mit leidenden Menschen in ihren unterschiedlichen Bedürfnissen ein Stück des Weges mitzugehen. Da gibt es keine Universalformel, jeder Mensch ist anders, reagiert anders, will ernst und wahrgenommen werden. Das braucht ein gutes Gefühl für die richtige Nähe und Distanz, die ich immer wieder in jeder Begegnung neu finden muss. Es geht nicht um das Tun, sondern um das Zuhören, hellhörig „Da Sein“ und aktive Präsenz und Zeit schenken. Dabei kann Humor eine große Hilfe sein.“ Eine Lebensschule sei dies für ihn, er lerne viel dabei.
Jean Bosco ergänzt: „Als Seelsorger wird man auf diesem Weg von Gott gestärkt, denn ohne Gottes Gnade wäre die Arbeit mit kranken Menschen unmöglich. Anders gesagt, ein Seelsorger ist meiner Vorstellung nach kein Übermensch, sondern ganz normal wie jeder andere, muss als solcher seine Grenzen akzeptieren und bescheiden sein. Schließlich ist ein Seelsorger wie ein Gärtner, der die Pflanzen gießt. Wachsen und Blühen liegen in Gottes Hand.“

Und zum Abschluss: „Allen, die mit Menschen – gesunden und nicht gesunden – zu tun haben, wünsche ich Gottes Segen, gute Erfahrungen, viel Freude und Geduld.“

Weitere Facts

  • Geboren am 31. Dezember 1980 in Kara im Norden von Togo
  • Schulausbildung und Matura
  • Mit 22 Jahren Eintritt in den Orden der Kamillianer im Nachbarland Benin
  • Philosophie- und Theologiestudium
  • Ewiges Gelübde 2011
  • 2014 Entsendung nach Österreich
  • 2014-2016 in der Pfarrseelsorge
  • 2016-2018 Krankenhausseelsorger am AKH Wien
  • Ab 2018 in der Pfarre St. Johannes
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